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Ulrich Bettermann spricht Klartext: deutlich, präzise und mit einem Gespür für das, was Unternehmen und Wirtschaft heute bewegt. Mit ihm tauschten sich Landrat Ralf Schwarzkopf und Jochen Schröder von der Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung (GWS) beim Besuch des Unternehmens OBO Bettermann in Menden aus.
OBO Bettermann ist kein gewöhnlicher Mittelständler. 1911 gegründet, hat sich das Unternehmen von einem regionalen Betrieb zu einem globalen Player entwickelt, mit mehr als 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mehr als 30.000 Serienprodukten und mehr als 80 Gesellschaften weltweit. OBO ist international aufgestellt, von Philadelphia bis Peking, von Helsinki bis Johannesburg, und doch fest verwurzelt in Menden im Sauerland. „Hier sieht man, was möglich ist, wenn Innovationsstärke auf unternehmerische Freiheit trifft“, sagt Landrat Ralf Schwarzkopf und ergänzt: „OBO Bettermann ist ein Aushängeschild unserer Region. Bodenständig und gleichzeitig global erfolgreich. Genau solche Unternehmen brauchen wir.“
Dass Innovation bei OBO Bettermann Tradition hat, zeigt ein Blick in die Geschichte: 1952 revolutionierten die „Ohne-Bohren“-Metalldübel den Markt und gaben dem Unternehmen seinen Namen. Seitdem zieht sich der Anspruch, Dinge besser zu machen, durch alle Jahrzehnte. Heute umfasst das Portfolio unter anderem Lösungen für Industrie und Gebäude, Kabeltrag- und Leitungsführungssysteme sowie Schutzinstallationen, die in Zukunftstechnologien wie Photovoltaik, Windenergie und Datentechnik gefragt sind.
Ulrich Bettermann hat Landrat Ralf Schwarzkopf und GWS-Geschäftsführer Jochen Schröder auch durch das sogenannte Kompetenz-Zentrum am Standort in Menden geführt. 100 Meter breit, 300 Meter lang, Kosten: rund 40 Millionen Euro. Bettermann: „Wir sind stolz darauf, hier die modernste Verzinkerei der Welt zu haben. Man riecht nichts, mitten in der Fertigung einer Verzinkerei. Das finden Sie kein zweites Mal.“ Die Produktion verläuft in großen Teilen automatisiert und besonders umweltfreundlich, wie der Verwaltungsratspräsident betont. 2011 ist das vom eigenen Ingenieurteam entwickelte Prestigeobjekt im Rahmen der Feier zum 100-jährigen Bestehen von OBO eingeweiht worden.
Bei aller Innovationsfreude spart der langjährige Unternehmer nicht mit Kritik an den Rahmenbedingungen in Deutschland. „Wir Mittelständler spüren so gut wie nichts von einem Bürokratieabbau“, sagt Ulrich Bettermann. „Unternehmen brauchen mehr Luft zum Atmen. Es wird viel zu viel reglementiert. Wir brauchen eine neue Vertrauenskultur.“ OBO zeige, wie wirtschaftlicher Erfolg auch ohne Abhängigkeiten funktioniere. Seit fast zwölf Jahren kommt das Unternehmen ohne Bankverbindlichkeiten aus. Investitionen werden konsequent aus dem bestehenden „Cashflow“ finanziert. Das sei ein Modell, das Stabilität und Resilienz schaffe.
100 Millionen Euro in die Fertigung
Investiert wird kräftig: OBO hat bereits 100 Millionen Euro in das Logistikzentrum gesteckt. Das nächste Großprojekt in ähnlicher Größenordnung ist bereits in Planung. „Wir investieren bewusst antizyklisch“, berichtet Prof. Dr. Robert Gröning, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Das verschafft uns Vorteile beim Einkauf und stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit. Wir wollen hier am Standort Menden weiterhin wachsen und die Fertigung ausbauen.“ Für Landrat Ralf Schwarzkopf ein starkes Signal: „Diese Investitionen zeigen ein klares Bekenntnis zu unserer Region. Das ist nicht selbstverständlich.“
OBO Bettermann erwirtschaftet 40 Prozent seines Umsatzes in Deutschland. In den USA sind es aktuell rund vier Prozent. Von dem Auslandsgeschäft entfallen etwa 20 Prozent auf Märkte außerhalb Europas. Prof. Dr. Robert Gröning: „Dort wachsen wir besonders stark.“ Trotz dieser globalen Perspektive bleibt die Nachwuchsförderung wichtig. OBO hat nach eigener Aussage bislang keine Probleme, gute Auszubildende zu finden. Projekte wie „OBO Styles“, bei denen Auszubildende eigenständig Produkte entwickeln und fertigen, sind bereits prämiert worden. Sie fordern und fördern die Experten von morgen.
Nach mehr als 58 Jahren im Unternehmen hat sich Ulrich Bettermann inzwischen aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen. Als Verwaltungsratspräsident ist er jedoch weiter eingebunden. Sein Fazit ist zugleich Appell: „Ein neues Wirtschaftswunder in Deutschland gelingt nur mit Innovationen, mehr Arbeit und unternehmerischer Freiheit.“
Pressekontakt: Märkischer Kreis, Alexander Bange / 02351 966 6150
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