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12. Juni 2026,  Märkischer Kreis. (pmk)
Zukunftsinitiative „Gute Pflege“ soll in die Verlängerung gehen
Märkischer Kreis. (pmk).

Das Erfolgskonzept der Zukunftsinitiative „Gute Pflege“ soll weiterentwickelt und bis 2029 weitergeführt werden. Dafür sprachen sich die Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Lüdenscheider Kreishaus mehrheitlich aus. Als Erfolgskontrolle forderte die Politik jährliche Berichte an den Ausschuss.

„Wir haben mit der Zukunftsinitiative „Gute Pflege“ in den vergangenen drei Jahren viel erreicht. Der Fachkräftemangel insbesondere im Bereich Altenpflege wird uns in den kommenden Jahren weiter umtreiben. Wie können wir neue Auszubildende für die Altenpflege gewinnen? Wie können wir Führungskräfte in der Pflege dafür sensibilisieren, Ausbildung und Rahmenbedingungen in der Altenpflege so zu gestalten, dass wir die Beschäftigten in der Pflege auch halten können?,“ brachte Leslie Kamphuis, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales, die Herausforderungen auf den Punkt.

Ralf Kling, Fachdienstleiter Pflege, stellte den Kreispolitikern den Pflegebericht 2026 vor. Der Pflegebericht wird alle zwei Jahre aus eigenen, aber auch aus Erhebungen externer Quellen wie IT.NRW erstellt, die zeitlich teilweise etwas hinterherhinken. Stand 31. Dezember 2023 waren demnach im Märkischen Kreis 32.652 Personen, also insgesamt acht Prozent der Bevölkerung, pflegebedürftig. Ambulant werden davon 86,9 Prozent (28.380 Personen) versorgt. Kling hob heraus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen innerhalb von sechs Jahren um rund 79 Prozent gestiegen ist.

„Die Versorgung alter und pflegebedürftiger Menschen im Märkischen Kreis ist derzeit grundsätzlich sichergestellt. Es gibt keinen Grund, Schreckensszenarien auszumalen“, betonte Ralf Kling. „Allerdings haben sich die Versorgungsstrukturen im Kreisgebiet in den vergangenen zwei Jahren nicht entsprechend der ständig wachsenden Anforderungen der Zielgruppen weiterentwickelt.“

 Die Suche nach einem stationären Platz kann sich im Kreisgebiet mitunter schwierig gestalten. 4.272 pflegebedürftige Personen (13,1 Prozent) sind in stationären Pflegeeinrichtungen untergebracht. Insgesamt zählt der Kreis 56 stationäre Einrichtungen mit rund 4.400 Plätzen sowie 16 Pflege-Wohngemeinschaften mit 290 Plätzen und sechs Intensiv-Pflege-Wohngemeinschaften mit rund 50 Plätzen. Dazu kommen noch 25 Tagespflegen mit 410 Plätzen und Kurzzeitpflege.

Geringe Wahlmöglichkeiten

Insbesondere in den Städten und Gemeinden Balve (6,71), Neuenrade (8,24) Halver (9,29), Schalksmühle (9,55), Altena (10,27), Hemer (10,8) und Herscheid (11,39) liegt die Versorgungsquote allerdings unter zwölf Plätzen je 100 Personen im Alter von 80 Jahren und älter. Es bestehen oft keine oder wenig Wahlmöglichkeiten. Nicht selten ist ein Umzug in einen anderen Ort notwendig.

Auch die Suche nach einem ambulanten Pflegedienst oder einem Unterstützungs- und Betreuungsangebot ist oft nicht einfach und regional sehr unterschiedlich erfolgreich. 4.884 Pflegebedürftige (knapp 15 Prozent) werden durch einen der insgesamt 92 ambulanten Pflegedienste im Kreisgebiet versorgt. In Herscheid ist kein Dienst ansässig. Die Versorgung in ländlich gelegenen Gebieten bleibt eine Herausforderung.

4827 Pflegebedürftige (14,8 Prozent) nehmen ausschließlich Entlastungsleistungen für Hilfen im Alltag in Anspruch. Aktuell sind im Kreisgebiet rund 130 solcher Dienste anerkannt. Die Nachfrage steigt. Allein im vergangenen Jahr wurden 26 Dienste anerkannt. Dabei sind die Angebote im südlichen Kreisgebiet ausbaufähig.

Ambulante Versorgung durch pflegende Angehörige

Eine große Bedeutung bei der ambulanten Versorgung haben pflegende Angehörige. Der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen (57 Prozent oder 18.669 Personen) wird im Märkischen Kreis ohne die Inanspruchnahme professioneller Dienste oder Angebote unterstützt. Aufgrund der demografischen Entwicklung zeichnet sich allerdings ab, dass die Gruppe der pflegenden Angehörigen in den kommenden Jahren deutlich abnehmen wird, weil sie selbst in die Jahre kommen.

Der Fachdienst Pflege erwartet daher einen wachsenden Bedarf an professioneller Pflege. Insbesondere zwischen 70 und 80 Jahren sowie ab 90 Jahren wird mit einem Zuwachs an pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren gerechnet. Es wird prognostiziert, dass die Anzahl der pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren ab 2035 um 2000 auf rund 8.800 wachsen könnte.

Auf diese Herausforderungen muss sich der Gesundheits- und Pflegesektor einstellen und seine Bemühungen um die Gewinnung und Ausbildung geeigneter Fach- und Arbeitskräfte intensivieren. Der Arbeitsmarkt gestaltet sich seit Jahren prekär, so Ralf Kling. Weil das erforderliche Personal nicht ausreichend zur Verfügung steht, können ambulante Pflegedienste zeitweise keine Neukunden mehr aufnehmen. Ähnliches gilt für die stationäre Pflege. Hinzu kommt, dass eine hohe Zahl an Pflegemitarbeitern in den kommenden Jahren selbst altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden wird.

Zukunftsinitiative „Gute Pflege“

Die Pflegeplanung des Märkischen Kreises unterstützt daher im Rahmen ihrer Ressourcen seit Jahren die Unternehmen und Akteure in der Pflegebranche bei ihren Aktivitäten, Menschen für die Arbeit in der Pflege zu gewinnen oder die in der Pflege aktiven Menschen auch in der Branche zu halten.

Mit dem Ziel, die Versorgung im Märkischen Kreis sicherzustellen, starten der Märkische Kreis und die agentur mark im Juni 2023 das Kooperationsprojekt „Zukunftsinitiative Gute Pflege – Märkischer Kreis“. Beide setzten sich im Ausschuss für Gesundheit und Soziales im Lüdenscheider Kreishaus für die Fortführung des Projekts ein. Kirsten Kling von der agentur mark stellte den Ausschussmitgliedern die Aktivitäten und Ergebnisse des bisherigen Projektverlaufs vor und erläuterte die Planung für die Fortführung des Projektes.

„Der Arbeitsmarkt in der Pflege ist lokal. Daher müssen alle Aktivitäten zur Versorgungssicherung lokal entfaltet werden. Dazu gehört die Stärkung der Pflegeanbieter und der dazugehörigen Ausbildungsstruktur“, machte Kirsten Kling deutlich.

Neue Herausforderungen

In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen der Zukunftsinitiative „Gute Pflege“ rund 70 Veranstaltungen zu den Themenfeldern Nachwuchsgewinnung, Qualifizierung – Führung -Unternehmenskultur, ausländische Fachkräfte und Digitalisierung durchgeführt. Sie erreichten Fachleute aus 90 Unternehmen, elf Bildungsträgern und 17 Institutionen. Dabei sei das Interesse an dem Ausbildungsberuf in den vergangenen Jahren erfreulich gestiegen – soweit, dass Pflegeschulen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Hinzu kommt, dass leistungsschwächere und persönlich belastete Schüler und Schülerinnen sowie ausländische Jugendliche, zum Teil explizit aus dem Ausland angeworben, neue Herausforderungen an den Schulalltag stellen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt die Kurve nach oben: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Heimen und dem Sozialwesen ist 2025 auf 13.250 Arbeitsverhältnisse gestiegen. Das bedeutet einen Zuwachs von 14 Prozent innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Dabei liegt die Teilzeitbeschäftigung in der Altenpflege mit 62 Prozent überproportional hoch. Bei den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen (insgesamt 10.902 Beschäftigte) beträgt sie nur 35 Prozent.

Als ein gutes Signal wertet Kirsten Kling auch die schnellere Anerkennung von Berufsqualifikationen, die im Ausland erworben wurden. Der Referenzberuf Pflegefachkraft führt 2024 in Nordrhein-Westfalen mit 7.968 bearbeiteten Anträgen die Top-Liste an, für die ein Antrag auf Anerkennung gestellt wurde.

In den kommenden Jahren sieht Kirsten Kling nach wie vor den zentralen Handlungsschwerpunkt in der Nachwuchsgewinnung. Sie setzt dabei unter anderem auf die Fortführung des Ansatzes „Pflege macht Schule“, bei der Schülerinnen und Schüler durch verschiedene Projekte für eine Ausbildung im Gesundheits- und Pflegesektor begeistert werden sollen. Als neue Zielgruppe will die Zukunftsinitiative auch Berufsrückkehrerinnen mehr in den Blick nehmen und sich für Angebote für Teilzeitqualifizierungen unter Einbindung von Online-Formaten einsetzen.

Wachstumsmarkt ausländische Pflegekräfte

Den größten Wachstumsmarkt sieht Kirsten Kling bei Pflegekräften und Auszubildenden aus dem Ausland. In Zusammenarbeit mit der Arbeitgeberschmiede setzt die agentur mark hier den Fokus auf die Sprachunterstützung ausländischer Auszubildender und Pflegekräften auch mit Einsatz von KI sowie auf eine verbesserte Willkommenskultur.

Weitere Handlungsfelder sind Fortbildungen der Pflegeanbieter in den Bereichen Ausbildung und Führung, Unternehmenskultur sowie Digitalisierung. Zudem sollen Lehrkräfte auf die neuen Herausforderungen in der Ausbildung vorbereitet werden, um die Ausbildung für junge Leute attraktiver zu gestalten. Neu im Konzept ist auch das Thema der Karrierepfade. Um den Beruf interessanter zu machen, sollen von Anfang an mögliche berufliche Aufstiegsmöglichkeiten durch zusätzliche Qualifizierungen aufgezeigt werden. Hierbei sollen die Kooperationen mit Hochschulen ausgebaut werden.

Pressekontakt:
Märkischer Kreis, Ursula Erkens 02351 966 6149

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Symbol-Foto: Hannah Heyn / Märkischer Kreis

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