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Hanau, 14. Juli 2017
Bürgermeister Weiss-Thiel: „Wir brauchen mehr Schulkapazitäten!“
- Bertelsmann Stiftung bestätigt Einschätzungen seitens der Stadt

„Die jüngste von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie untermauert unsere Einschätzung, dass wir uns auch in Hanau in den nächsten Jahren auf wieder wachsende Kinderzahlen in Kitas und Grundschulen einzustellen haben“, sagt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel. Bereits in der letzten Stadtverordnetenversammlung habe er darauf aufmerksam gemacht, dass der nun beauftragte Schulentwicklungsplan für die Grundschulen den Fokus wieder auf die Frage ausreichender Schulkapazitäten lenken werde und dass dies auch schon in der anstehenden Investitionsplanung für die Jahre ab 2018 berücksichtigt werden müsse. „Ursache dieser Entwicklung ist weniger die Aufnahme von Flüchtlingen in den letzten Jahren, als vielmehr eine Kombination aus Geburtenentwicklung, Attraktivität des Ballungsraums Rhein-Main und der Stadt Hanau sowie die Stadtentwicklungspolitik“, erläutert Weiss-Thiel.

Betrachte man die einzelnen Altersjahrgänge der Hanauer Wohnbevölkerung, dann sei eine klare Entwicklung erkennbar: „Bis zu den Geburtsjahrgängen 2010 zeigt die demographische Entwicklung eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Dadurch dauerhaft frei gewordener Schulraum wurde an der Mehrheit der Grundschulen für die Schulkind-Betreuung genutzt“, erläutert der Bürgermeister. Da der Bedarf für die Schulkind-Betreuung ebenfalls ansteige, sei stehe dieser Raum zukünftig nicht mehr für Unterrichtszwecke zu Verfügung.

„Die in diesem Jahrzehnt stattfindende Zuzugsbewegung nach Hanau und steigende Geburten führen zu einer deutlichen Steigerung der Anzahl der Kinder in den einzelnen Jahrgängen. In den älteren Jahrgängen bis zum Geburtsjahr 2010 sind derzeit jeweils zwischen 828 und 903 Kinder erfasst. Danach steigen diese Zahlen in den darauffolgenden jüngeren Jahrgängen kontinuierlich an bis sie 2015 und 2016 jeweils über 1000 Kinder erreicht; diese Kinder werden dann 2021 und 2022 eingeschult“, berichtet der Bürgermeister.

Dieser Anstieg mache sich bereits in der Nachfrage nach Plätzen in der Kinderbetreuung unter sechs Jahren (U6) bemerkbar. „Wir arbeiten schon jetzt mit Hochdruck daran, für alle Kinder von 1 bis 6 Jahren einen Betreuungsplatz bei Tageseltern oder in den Kitas sicherzustellen. Der erhöhte Platzbedarf wird zunehmend auch die Grundschulen betreffen und seinen vorläufigen Höhepunkt in den Schuljahren 2021/22 erreichen“, so der Bildungsdezernent.

In den Stadtteilen ergebe sich allerdings ein sehr differenziertes Bild: Einige Stadtteile zeigten auch weiterhin keinen Mehrbedarf für zusätzliche Schulklassen während insbesondere in den kernstädtischen Stadtbezirken Innenstadt/Südost, Lamboy/Tümpelgarten und Nordwest sowie Wolfgang die vorhandenen Kapazitäten eingehender geprüft und nötigenfalls nach aktuellem Stand um 10 bis 12 Klassen ausgebaut werden müssten, berichtet Weiss-Thiel. „Die Tatsache, dass wir die Tümpelgarten-Schule am Akazienweg umfassend sanieren und anschließend die Verlagerung der Tümpelgarten-Grundschule dorthin stattfindet, erweist sich jetzt als Glücksfall, denn wir können die zu erwarteten Mehrbedarfe mit einplanen“, so Weiss-Thiel. Auch sei es von Vorteil, dass man in Wolfgang die Robinsonschule in das Elisabeth-Schmitz-Schulgebäude verlagert habe, da hier weitere Räume zur Nutzung zur Verfügung stünden.

Mittlerweile wurden auch die anstehenden Wohnungsbauprojekte im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf den Schulstandort berechnet. „Im Ergebnis sieht es so aus, dass nach derzeitigem Stand zu Beginn des nächsten Jahrzehnts insgesamt 19 weitere Klassen erforderlich sind. Mit einem erhöhten Bedarf sei insbesondere in den Bereichen Innenstadt/Südost und Wolfgang zu rechnen. „Der Mehrbedarf ist jedoch von der Geschwindigkeit abhängig, mit der die Wohnungsbauprojekte realisiert werden können“, erläutert der Bürgermeister. Er betonte wie wichtig die Umsetzung der Wohnungsbauprojekte sei, um den schon jetzt vorhandenen Druck auf den Wohnungsmarkt und damit auch auf die Mieten und Preise zu entlasten. „Was die Schulen betrifft, haben wir heute schon Planungs- und Handlungsbedarf. In der Bertelsmann-Studie heißt es, dass für neue zusätzliche Klassen ein Planungs- und Bauzeitraum sowie für Lehrerausbildung ein Vorlauf von sieben Jahren einkalkuliert werden muss, bis die Kinder real beschult werden können. Es ist also höchste Zeit hier Maßnahmen zu ergreifen, auch von Seiten des Bundes und des Landes!“, fordert Weiss-Thiel.

Das Bund-Länder-Programm - in Hessen unter dem Namen „KIP macht Schule“ bekannt - wird nach Einschätzung des Schul- und Sozialdezernenten auch für Hanau eine Erleichterung bei der Bewältigung dieser anstehenden Aufgabe bringen. Da Schulbauprojekte aber erhebliche Vorlaufzeiten haben, fordert der Bürgermeister insbesondere vom Land bis zum Ende der Sommerpause Klarheit hinsichtlich des konkreten Umfangs, der Konditionen und Fristen zu schaffen. Die ursprüngliche Intention des Gesetzgebers, mit diesem Programm vor allem die Sanierung und Modernisierung von vorhandenem Schulraum in finanzschwachen Kommunen voranzubringen, sei aber mittlerweile - zumindest in den Ballungsräumen - überholt, so Weiss-Thiel weiter, da der wachsende Platzbedarf sich hier bereits bemerkbar mache und in den kommenden Jahren stark ansteigen werde.

„Die Schulen in Hanau profitieren allerdings davon, dass Hanau schon immer und unabhängig von politischen Mehrheiten den Bildungs-Investitionen einen hohen Stellenwert beigemessen hat“, sagt Weiss-Thiel. Handlungsbedarf zur Qualitätssteigerung von Schulbauten gebe es immer, aber in Hanau auf einem insgesamt hohen Niveau, wenn man sich mit anderen Kommunen vergleiche, so der Bürgermeister. „Allerdings ist die Bereitstellung ausreichenden Schulraums nur der Beitrag der Stadt als Schulträger zur anstehenden Aufgabenbewältigung. In den Schulen müssen dann auch ausreichende und gut qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer tätig sein!“, sieht der Schuldezernent das Land Hessen in der Pflicht.

 

 



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