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Iserlohn.
Lange geplant, intensiv vorbereitet, sorgfältig geübt und zuletzt im Parktheater-Konzert auf Herz und Nieren überprüft - das musikalische Programm, mit dem das Sinfonieorchester der Musikschule Iserlohn zum IX. Europäischen Jugendmusikfestival nach Ungarn aufbrach, sollte höchsten Ansprüchen genügen. Schließlich war das Orchester mit nur einer Handvoll anderer Jugendorchester aus allen tausend deutschen Musikschulen ausgewählt worden, um für Deutschland bei dem Festival anzutreten, das rund zehntausend Jugendliche in 250 Ensembles aus 27 Ländern vereinen sollte. Zusammen mit Amsterdam und einem baden-württembergischen Orchester war die Iserlohner Gruppe sogar unter den drei größten Sinfonieorchestern überhaupt. So war nicht nur der Reiseaufwand mit Doppeldeckerbus und Instrumentenbulli ungewöhnlich, sondern auch der Eindruck gewaltig, den die 68-köpfige Iserlohner Reisegruppe vor Ort hinterließ.
Die einwöchige Reise führte zunächst ins Vorfestival nach Nyíregyháza, wo neben einer wunderschönen Unterkunft und einem unterhaltsamen Zoobesuch auch die Gastfreundlichkeit der Partnermusikschule für Wohlbehagen sorgte. Schnell entstand der Kontakt zum holländischen Jugendorchester aus Hilversum, das gemeinsam mit Iserlohn und zwei ungarischen Ensembles das hochkarätige Festival-Eröffnungskonzert gestaltete. Der größte Konzertsaal in Nyíregyháza fasste geradeso das Iserlohner Orchester, das klangstark und präzise mit Werken von Richard Strauß (Also sprach Zarathustra), Richard Wagner (Meistersinger-Ouvertüre) und Antonín Dvorák ("Neue Welt"-Sinfonie) gleich in der "Königsklasse" antrat und begeistert beklatscht wurde. Ein Innenstadtbummel, die Besichtigung der großzügig ausgestatteten Musikschule und die ausgelassene Feier nach dem Konzert im Garten des Hotels sorgten für beste Stimmung, bevor es am nächsten Tag nach Budapest zum Hauptfestival ging. Unterdessen sorgten einige Orchestermitglieder durch selbstgemachte Lieder und Gedichte über die Fahrt für Heiterkeit. Erst die abendliche Unterkunft in einem für westliche Verhältnisse doch sehr schlichten Studentenwohnheim öffnete die Augen dafür, dass es auch achtzehn Jahre nach dem Ende des früheren Ostblocks noch große Unterschiede beim Lebensstandard gibt.
Beim Stadtbummel in Budapest bewährten sich dann die eigens angefertigten roten T-Shirts der Iserlohner Gruppe, sodass kein Schüler verloren ging. Das großartige Konzert in Ungarns größtem Museum, dem Nationalmuseum in Budapest, begeisterte das Publikum. Albert Ketélbeys "Auf einem persischen Markt" und Giuseppe Verdis "Triumphmarsch aus Aida" waren die Hits des Tages.
Beim letzten eigenen Konzert der Iserlohner im Museum der Bildenden Künste kam dann so richtig ausgelassene Festivalstimmung auf. Der Auftrittsort in der riesigen zentralen Halle spornte die Musikschüler zu Höchstleistungen an. Das Publikum, darunter mehrere andere Festivalorchester, ließ sich bei dem berühmten "Can-Can" aus Jacques Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" zum Tanzen mitreißen, bis die Alarmanlage des Museums anschlug. Kurzerhand zogen alle hinaus ins Freie, wo das Iserlohner Orchester auf der Freitreppe und die tanzenden Zuhörer auf dem Heldenplatz einen “rauschenden Tanz” bildeten. Unter der Leitung des holländischen Dirigenten spielten dann mehrere Orchester gleichzeitig Mendelssohns "Hebriden"-Ouvertüre: Obwohl die Iserlohner das Werk vorher noch nie gesehen hatten, hielten sie doch erstaunlich gut mit! Die Abschlussveranstaltung des Festivals überzeugte vor allem mit einer Jazzbühne, auf der BigBands aus mehreren Ländern musikalisch so einheizten, dass die jugendlichen Zuhörer noch einmal richtig ausgelassen feiern konnten.
Die musikalisch überaus erfolgreiche Fahrt (Iserlohn spielte nach Leistung und Stimmung auf den vordersten Rängen!) wurde auch durch die Mitwirkung der beiden Musikschullehrer Stefan Beumers (Trompete) und Adrian Ebmeyer (Horn) und drei Schülermütter möglich, die sich stets liebevoll und einsatzbereit um alles kümmerten.
Zu danken ist dem Iserlohner Nyíregyháza-Komitee und dem Freundeskreis der Musikschule Iserlohn, die mit erheblichen Beträgen die Fahrt unterstützten. Alle hoffen darauf, dass diese erste Auslandsfahrt des Iserlohner Musikschulorchesters nicht die letzte bleibt.
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