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Pressemitteilung vom 08.10.2007
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Stadtmuseum zeigt “Robinson soll nicht sterben" am Sonntag in Barendorf
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Iserlohn.

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Robinson im Film - Von Frauen und Männern auf einsamen Inseln" im Iserlohner Stadtmuseum wird am kommenden Sonntag, 14. Oktober, um 15.00 Uhr im Haus A in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf, Baarstraße 220 - 226, der Film "Robinson soll nicht sterben" mit Romy Schneider und Horst Buchholz gezeigt.

Der Eintrittspreis beträgt drei Euro. Karten gibt es in der Stadtinformation, Theodor-Heuss-Ring 24, und im Stadtmuseum, Fritz-Kühn-Platz 1.

Der Film zeigt nicht nur die junge Romy Schneider und den jungen Horst Buchholz in einer ihrer ersten Filmrollen und begründete für beide den Beginn einer großen Leinwand-Karriere. Eine Karriere, die von der Filmindustrie durchaus im Sinne ihrer Rollen in “Robinson soll nicht sterben” weiterverfolgt wurde. Aus der vierzehnjährigen Unschuld Maud wird schließlich in der öffentlichen Wahrnehmung Sissi, während der Dieb Tom zum deutschen James Dean in “Die Halbstarken” avanciert. Besonders Romy Schneider hatte Mühe, diesem früh geprägten Klischee zu entkommen.

“Robinson soll nicht sterben” ist nicht nur eines der wenigen international erfolgreichen deutschen Kinoereignisse aus den frühen Jahren der Bundesrepublik. Der Film spiegelt auch in vielen Details deutsche Filmgeschichte wieder und widerlegt den Mythos von der Stunde Null und dem angeblichen kulturellen Neubeginn nach 1945.

Das dem Drehbuch zugrunde liegende Theaterstück von Friedrich Forster erlebte seine Uraufführung im Alten Theater zu Leipzig bereits am 17.9.1932. Das Stück brachte es zu einem beachtlichen Bühnenerfolg nicht nur in den deutschen Schauspielhäusern, sondern weltweit.
Dem Autor verhalf es 1933 mit zur Stelle des Intendanten des Bayerischen Staatsschauspiels München. Als Zugeständnis an den NS-Staat sind sicherlich nicht nur seine KdF-Schulungsvorträge wie “Das Theater des Volkes” zu werten, sondern auch dass die Buchausgabe von 1940 mit einem Robinson-Gedicht des NS-Schriftstellers und NS-Funktionärs Rainer Schlösser eröffnet wird. Nach dem Krieg verzichtet der Deutsche Theaterverlag dann auf die “belastete" lyrische Beigabe.
Der Bühnenerfolg führt 1949 zu einer Prosabearbeitung des Stoffes durch den Autor, die es ebenfalls zu einer bis heute anhaltenden Rezeption brachte, denn immerhin schaffte es die Erzählung über die Reclam-Ausgabe bis in den Kanon der Schullektüren. Daneben sorgten Bearbeitungen des Schauspiels für Laientheater oder als Kinder-Musical für eine Verbreitung auch außerhalb der subventionierten “Hochkultur”.
1956 schließlich nahm sich die UFA des Stoffes an. Als Drehbuchautoren beauftragte sie keinen geringeren als Johannes Mario Simmel, gab dem damals aber noch relativ unbekannten Schriftsteller einen erfahrenen Partner an die Seite: Emil Burri, einem Drehbuchautor und Regisseur, der erfolgreich mit Bertolt Brecht zusammengearbeitet und das Drehbuch zur “Mutter Courage”(1955) verfasst hatte, aber auch das Filmbuch zu dem Hans-Albers-Erfolgstreifen “Wasser für Canitoga” von 1939, das ebenfalls auf einem Theaterstück eines emigrierten Autors beruhte, und dessen Erfolgsschlager “Good bye, Johnny” während des Krieges verboten wurde. Beide Autoren zeichneten sich durch eine kritische Haltung gegenüber der NS-Zeit und insbesondere Simmel durch eine ständige Kritik an der nicht aufgearbeiteten NS-Geschichte und dem Fortbestehen brauner Gesinnung und Karrieren in der jungen Bundesrepublik aus. Trotzdem lagen, wenn auch versteckt, die Schatten der Vergangenheit über dem Film “Robinson soll nicht sterben”.
Der Regisseur Joseph von Baky zeigte seit 1936 für eine Reihe von Unterhaltungs-Produktionen der NS-Zeit wie “Intermezzo, Menschen vom Varieté”, “Der Kleinstadtpoet” und schließlich 1943 für “Münchhausen” verantwortlich. Der mitwirkende Staatsschauspieler Mathias Wieman äußerte sich während der NS-Zeit begeistert über die “neuen Menschen", die da heranwuchsen, die ihre Wurzeln im Krieg hätten, ihr Vorbild in den “namenlosen Regimentern von Langemarck". Er spielte in mehreren NS-Propaganda-Filmen mit (“Patrioten” 1937, “Kadetten” 1941), unter denen besonders “Ich klage an” von 1941 negativ herausragt, ein Film, der das Euthanasie-Programm der NSDAP vorbehaltlos unterstützt und nach 1945 von den Alliierten ein Aufführungsverbot erhielt. Wieman beteiligte sich bis kurz vor der Kapitulation an Durchhalteveranstaltungen an der Front und noch im April 1945 im olympischen Dorf mit einem Programm, das nach Meinung der Führung dazu taugte, den "Endsieg" zu fördern.
Romys Mutter Magda Schneider wurde eine persönliche Nähe zu Hitler nachgesagt. Der Ehemann sah noch 2006 seine Persönlichkeitsrechte verletzt, weil zwei Bilder in dem Buch “Mythos Romy Schneider” eine besondere Nähe Magda Schneiders zu Adolf Hitler zeigten, und klagte vergeblich gegen den Vertrieb des Werkes. Dass Magda Schneider zu einem persönlichen Besuch bei Adolf Hitler weilte, ist unbestritten, die kolportierte Affäre mit ihm allerdings ist unbewiesen, aber in den privaten Filmen Eva Brauns taucht sie auf dem Obersalzberg auf.
Als der Film “Robinson soll nicht sterben” am 7.2.1957 seine Erstaufführung erlebte, warb der Verleih mit einem Kinoplakat, das Bruno Rehak gestaltet hatte. Der Grafiker Rehak war ebenfalls kein Unbekannter. Unter anderem schuf er 1940 das Filmplakat zu dem antisemitischen Hetzfilm “Jud Süß”.

Vergangenes und Gegenwärtiges waren also gleichermaßen vertreten, bekannte Schauspieler und neue unverbrauchte Gesichter, bewährte Filmhandwerker und kritische Drehbuchautoren, ein alter erfolgreicher Stoff im neuen Medium Farbfilm.

Das Stück spielt in London um 1730. Daniel Defoe lebt verarmt und erblindet im Haus der Witwe Cantley. Sein Sohn Tom hat ihn durch sein liederliches Leben um sein gesamtes Vermögen gebracht. Nur die Witwe und deren vierzehnjährige Tochter Maud nehmen sich des Alten an. Um sich Geld zu verschaffen, stiehlt Tom das von seinem Vater gehütete Manuskript des Robinson Crusoe. Mit der Hilfe von fünf Jungen gelingt es Maud, das Manuskript zurückzuerlangen, indem sie beim König Hilfe erbittet.

Es gab viel Lob: “Keine historische Biografie, aber warmherzige, munter inszenierte und gespielte Unterhaltung. Das ist ein Märchen für die Erwachsenen und ein Drama für Kinder, es ist ein großer Triumph für die niedliche Romy Schneider und eine kleine Genugtuung für den Autor Friedrich Forster.”
“Über dem Stück liegt ein zarter, poetischer Schimmer, der die realistische Vorgänge des Geschehens unmerklich ins Märchenhafte hinübergleiten lässt.”
Und die spätere Kritik: “Durch die sentimentale Überzeichnung, das Idyllisch-Gemüthafte wird die latente Sozialkritik der Handlung entschärft.” Dies war in den Aufbaujahren der BRD eher ein willkommener ideologischer Ansatz, entsprach er doch der allgemeinen Stimmung im restaurativen Wirtschaftswunderland.



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