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Iserlohn.
Ein Büstenhalter, mit dem man Fotos schießen kann, und Geruch in Einkochgläsern: Aus heutiger Sicht sind die Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR fast schon zum Lachen. Das bleibt einem aber dann doch im Halse stecken, wenn man darüber nachdenkt, dass die diktatorische Regierung das damals alles verwendete, um die eigenen Bürger oder ausländische Besucher auszuspionieren. Das wurde bei dem kostenlosen Vortrag zur Ausstellung “Im Visier der Stasi“ am Donnerstagabend im Stadtmuseum deutlich.
Volkshochschule und Stadtmuseum hatten gemeinsam eingeladen und etwa 50 Besucher kamen. Man hatte aber auch den kompetentesten Referenten gewinnen können: Der Hagener Peter Baum stellte die Exponate zur Verfügung und bearbeitet seit 1999 die Unterlagen über den “Operativ-Technischen Sektor” des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR als Forschungsarbeit im Rahmen der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Er referierte in einer Power-Point-Präsentation über die Methoden des Ministeriums. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), im Volksmund “Stasi“ genannt, war der In- und Auslandsgeheimdienst der DDR und der zweitgrößte Geheimdienst der Welt. 1989 beschäftigte man 91 015 hauptamtliche sowie 174 000 inoffizielle Mitarbeiter. Peter Baum ging nun der Frage nach, wie damals jemand bewacht wurde. Illegale Wohnungsdurchsuchungen, Wanzeneinbau sowie Foto- und Videoüberwachung waren nur einige der vielfältigen Methoden. Peter Baum zeigte zahlreiche Exponate des Operativ-Technischen Sektors des MfS, der beispielsweise spezielle Kameras zur Überwachung ankaufte oder umbaute. 1 300 000 Bilder, Negative und Dias sind somit eine Hinterlassenschaft des DDR-Regimes, ein “Bilderberg des MfS“, wie Peter Baum sagte. Er stellte Dokumentationsgeräte, Observationskameras, Wanzen und Spionagekameras im Folgenden näher vor. Ein Vogelhäuschen mit eingebauter Kamera etwa – “ein Starenkasten“, rief eine Zuhörerin.
Im Anschluss stellten die Anwesenden Peter Baum noch einige interessierte Fragen. Er tourt mit seinen Exponaten und Vorträgen mittlerweile regelrecht durch die gesamte Republik. “Meine Vorträge verlaufen aber im Westen ganz anders als in der ehemaligen DDR, dort sind sie noch viel emotionsgeladener“, erklärte er.
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