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Iserlohn.
Auf große Resonanz stieß die Fachtagung zum Thema "Häusliche Gewalt" im Iserlohner Rathaus am gestrigen Mittwoch, 22. Oktober. Rund einhundert Fachleute aus der Region nahmen daran teil. Sie kamen aus dem Bereich der Justiz, von der Polizei, den Jugendämtern, Kindertagesstätten und verschiedenen Beratungseinrichtungen. Auch zahlreiche Ärztinnen und Ärzte befanden sich im Publikum. Eingeladen hatte der so genannte “Runde Tisch zur Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes im Märkischen Kreis”, in dem zahlreiche Fachleute aus verschiedenen Institutionen vertreten sind.
Ziel der Fachtagung war es, einen Blick auf Kinder und Migrantinnen zu werfen, zwei Gruppen, die in der Regel nicht im Mittelpunkt stehen, wenn es um das Thema häusliche Gewalt geht: Was erleben zum Beispiel Kinder und mit welchen Folgen haben sie zu kämpfen, wenn die Mutter vom Vater geschlagen wird. Ute Rösemann, Sozialwissenschaftlerin aus Gladbeck, stellte in ihrem Beitrag klar: "Gewalt gegen die Mutter ist immer auch Gewalt gegen das Kind". Und sie mahnte: "Die Folgen, unter denen Kinder zu leiden haben, auch wenn sie persönlich keine Gewalt erfahren haben, sind erheblich. Sie können dazu beitragen, dass Gewalt über Generationen weiter getragen wird." Sie plädierte deshalb dafür, Fachpersonal im Umgang mit Kindern zu qualifizieren, damit die Signale von Kindern frühzeitig erkannt und behandelt werden können.
Welche Rolle häusliche Gewalt in Migrantenfamilien spielt, darum ging es in dem Beitrag von Dr. Monika Schroettle. Sie informierte über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, die sie in einer Studie für das Bundesfrauenministeriums herausgefunden hatte. Sie stellte fest, dass Frauen türkischer Herkunft sehr viel häufiger Opfer von Gewalt sind im Vergleich zu deutschen Frauen. Die Folgen sind vor allem gesundheitliche Beschwerden bei den türkischen Frauen, von denen sie auch deshalb in erhöhtem Maße betroffen sind, weil sie grundsätzlich durch soziale und psychische Benachteiligungen geschwächt und beeinträchtigt sind: "Sie sind nicht nur häufiger und schwereren Gewaltübergriffen in der aktuellen Partnerschaft ausgesetzt, sondern auch häufiger von nicht gewaltbedingten körperlichen und psychischen Beschwerden betroffen", so Schroettle. Sie plädierte deshalb besonders für die berufliche und soziale Förderung von Frauen mit Migrationshintergrund, weil dadurch die Voraussetzung geschaffen werden kann, die Gesundheit der Frauen zu verbessern und Gewaltbelastungen zu vermindern.
Fazit der Iserlohner Gleichstellungsbeauftragten, die für die Durchführung der Fachtagung mitverantwortlich war: "Die Veranstaltung war ein großer Erfolg. Wir konnten viele neue Erkenntnisse und Anregungen an das Fachpublikum vermitteln, die nun in die Arbeitspraxis einfließen können."
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Fachtagung “Häusliche Gewalt”
Die stellvertretende Bürgermeisterin Renate Brunswicker begrüßte die Teilnehmer der Fachtagung “Häusliche Gewalt” am 22. Oktober 2008 im Iserlohner Rathaus.
Fachtagung “Häusliche Gewalt”
Teilnehmer der Fachtagung “Häusliche Gewalt” am 22. Oktober 2008 im Iserlohner Rathaus.
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