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Iserlohn.
"1001 Nacht im Morgenland und Abendland" ist der Titel der neuen Sonderausstellung, die ab heute im Stadtmuseum Iserlohn, Fritz-Kühn-Platz 1, zu sehen ist. Gezeigt werden Ansichtskarten, Bücher, Comic und Filmplakate aus der Sammlung des Iserlohners Dr. Walter Wehner:
"1001 und eine Nacht, Märchen aus fernen Zeiten und weit entfernten Ländern, was hat das heute noch mit uns zu tun?
Viel! - wie ein Blick in die Tageszeitungen oder Nachrichtensendungen zeigt. Der sogenannte "Orient" beherrscht immer wieder die Schlagzeilen. Von Nordafrika bis Afghanistan melden die Medien seit Jahren Unruhen, Kriege, religiöse Auseinandersetzungen. Und die Folgen machen an den Grenzen Europas nicht halt. Spätestens, wenn Flüchtlingsunterkünfte in unserer direkten Nachbarschaft errichtet werden, melden sich besorgte Leserbriefschreiber, schüren Parteien vom rechten Rand des Parteienspektrums die Ängste der Bürger, bilden sich Initiativen gegen Moscheebauten und Asylheime. Was unsere Vorstellung vom Morgenland prägt, sind aber nicht nur die aktuellen Bilder aus Syrien oder Bagdad. Unsere Urteile und Vorurteile über den Orient reichen weit zurück. Viele entstanden erst mit dem Erscheinen der Märchensammlungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Besonders als die Erzählungen von Sindbad und Aladin Einzug in die Kinder‑ und Jugendliteratur hielten, als Dichter wie Wilhelm Hauff neue orientalische Märchen, den Kalif Storch und den kleinen Muck erschufen.
Das Morgenland war in den Köpfen vieler Leser geprägt von Prachtpalästen, aufgeladen mit der Erotik von Harem und Schleiertänzen, den abenteuerlichen Kämpfen von Helden und Schurken.
Das besaß Faszination, bot Unterhaltung und Wunschträume. Karl May erkannte die Möglichkeiten, die sich ihm hier boten schnell und schuf aus dem Stoff einen der größten Fluchtträume der deutschen Literatur. Ein Stoff, den auch Hollywood nicht übersehen konnte. Die Zahl der Filme über den geheimnisvollen Orient steht der der von Scheherazade erzählten Märchen in nichts nach. Und spätestens damit verfestigten sich unsere Vorstellungen - und wir glauben zu wissen, was es mit dem Orient, seiner Geschichte und seinen Menschen auf sich hat.
Vielleicht aber sollten wir unsere Bilder noch einmal überprüfen, Traum und Wirklichkeit aufeinander prallen lassen - die Ausstellung im Iserlohner Stadtmuseum bietet dazu Gelegenheit. Und den Anlass, die Geschichten und Filme noch einmal mit einem anderen Blick zu sehen und zu lesen."
Die Sonderaustellung ist noch bis zum 30. März zu sehen. Alle Interessierten sind herzlich zum Besuch eingeladen. Das Stadtmuseum ist geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 19 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.stadtmuseum-iserlohn.de
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