Gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Iserlohn und der Stadtwerke Iserlohn GmbH
Iserlohn.
Der Umweltminister des Landes NRW, Johannes Remmel, hat am 24. Juni die Gewinnerkommunen des Landeswettbewerbs „KWK Modellkommune NRW 2012-2017“ offiziell bekannt gegeben: Die Stadt Iserlohn hat die Jury mit ihrem Konzept überzeugt und ist, mit fünf weiteren Wettbewerbern, zur KWK Modellkommune ernannt worden.
Im Oktober 2012 hatte das NRW Umweltministerium zu einem mehrstufigen Wettbewerb zur KWK Modellkommune aufgerufen, an dem sich 51 Städte und Gemeinden, so auch die Stadt Iserlohn, beteiligt hatten. Das Grobkonzept der Stadt Iserlohn wurde im Sommer letzten Jahres mit insgesamt zwanzig Kommunen für eine Förderung ausgewählt. Bis Ende März 2014 lief die Abgabefrist für die Erstellung des Feinkonzeptes. Im Auftrage der Stadt hatte die Stadtwerke Iserlohn GmbH das Konzept ausgearbeitet und innovative Ansätze integriert. Basierend auf einer energiewirtschaftlichen Optimierung, mit dem Beitrag zur Integration der erneuerbaren Stromerzeugung, erfolgt der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung hier in drei Säulen:
1. Errichtung von drei Nahwärmeinseln mit stromgeführten BHKW 2. Erweiterung der vorhandenen Fernwärme und die Errichtung eines Wärmespeichers 3. Objekt-KWK mit zehn Mikro-KWK-Anlagen
Bereits im Integrierten Kommunalen Klimaschutzkonzept der Stadt Iserlohn ist der verstärkte Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung als hoch priorisierte Maßnahme verankert. Der Ausbau dieser energieeffizienten Technologie stellt sich als eine der wichtigsten Aufgaben zur maßgeblichen Reduzierung der Treibhausgase und Einsparung von Primärenergie dar.
Zur Erreichung der ambitionierten Ziele des Klimaschutzkonzeptes ist das Projekt KWK Modellkommune ein wegweisender Schritt. In diesem Rahmen sind die in Iserlohn geplanten Maßnahmen so angelegt, dass sie nahezu auf alle KWK-Anwender übertragbar sind und dem Wettbewerbserfordernis einer Modellkommune gerecht werden. Zu den drei Säulen des Feinkonzeptes sind folgende Maßnahmen geplant:
1. Nahwärme In Rheinen, einem bisher nicht an eine zentrale Gas- oder Wärmeversorgung angeschlossenen Wohngebiet, soll ein Bürgerbeteiligungsmodell in Form einer Energiegenossenschaft aufgelegt werden. Ziel ist es, den Anwohnern die Teilhabe an einer modernen und zukunftssicheren Wärmeversorgung ihres Wohngebietes mit KWK zu ermöglichen. Letmathe, Aucheler Straße: Das Gymnasium, die Hauptschule, die dazugehörige Turnhalle und das Berufskolleg des Märkischen Kreises, Abteilung Land- und Gartenbau, sowie das Hallenbad Aquamathe sollen mit einem Anschlussgrad von 100 % über eine dezentrale KWK-Anlage versorgt werden. Alternativ zur in den nächsten Jahren notwendigen Erneuerung von Gasversorgungsleitungen soll das Industriegebiet Letmathe-Ostfeld für KWK erschlossen werden. Aktuell erfolgt die Wärmeversorgung zu rd. 95% durch Erdgas, 5% wird durch sonstige Energieträger sichergestellt.
2. Fernwärme Das Fernwärmenetz Iserlohn bezieht den überwiegenden Anteil seiner Wärme aus dem Müllheizkraftwerk der AMK. Mit Hilfe eines Wärmespeichers wird die Erzeugung von Wärme und Strom entkoppelt. Diese energiewirtschaftliche Optimierung der KWK zielt darauf ab, KWK-Strom zu erzeugen, wenn er gebraucht wird und demzufolge hochpreisig ist und um Systemdienstleistungen zur Stabilisierung der Stromversorgung in Deutschland bereit zu stellen. Der Wärmespeicher ist somit ein wesentlicher Beitrag zur Integration Erneuerbarer Energien und zur Verringerung der CO2-Emissionen. Im Gebiet Waisenhausstraße/Pastorenweg wird das bestehende Fernwärmenetz um eine Trassenlänge von rd. 300 Metern erweitert. Hierdurch wird die Einbindung auch größerer Objekte in die Fernwärme-Versorgung mit sehr geringen CO2-Faktoren realisiert. Es ergibt sich eine Leistungserhöhung um rd. 700 kW.
3. Objekt KWK In Gebäuden mit geringem Wärmebedarf werden Mikro-KWK-Anlagen auf Basis der Brennstoffzellentechnologie zum Einsatz kommen. Folgende zehn Gebäude sollen mit dieser Technik ausgestattet werden:
- Grund-, Gesamtschule Gerlingsen
- Realschule Letmathe, Hauptgebäude
- Saatschule
- Grundschule Bartholomäus
- Realschule
- Grundschule Auf der Emst
- Parktheater Iserlohn
- Grundschule Hennen
- Altes Rathaus Letmathe (Polizei)
- Grundschule, Sonderschule Nordfeld
Diese Gebäude zeichnen sich durch einen hohen Strombedarf aus. Der Vorteil: Ein großer Teil der Stromerzeugung kann in den Immobilien selbst verbraucht werden. So ergibt sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen eine deutlich verbesserte Wirtschaftlichkeit.
Weitere Projektbausteine Um die Kraft-Wärme-Kopplung optimal auszugestalten, wurde im Rahmen der Feinkonzepterstellung für das gesamte Stadtgebiet ein Wärmeatlas erstellt. Anhand der darin enthaltenen Wärmebedarfskarten lässt sich die Eignung des Umfelds für die leitungsgebundene Wärmeversorgung bestimmen.
Die im Rahmen des Konzepts geplanten KWK-Anlagen werden im virtuellen Kraftwerk Iserlohn in der Netzleitstelle der Stadtwerke Iserlohn zu einem steuerbaren Verbund zusammengeschaltet. Ebenfalls können die bestehenden und zukünftig zu errichten BHKWs der Stadtwerke Iserlohn sowie Notstromaggregate und BHKWs der Stadtwerke-Kunden integriert werden. So würde die Wirtschaftlichkeit der KWK-Erzeugungsanlagen entscheidend verbessert:
Das Projekt KWK-Modellkommune Iserlohn beinhaltet ein unterstützendes Kommunikationskonzept, das das Thema KWK im Allgemeinen und das Projekt im Besonderen den Bürgerinnen und Bürgern bekannt machen sowie Ziele und Inhalte vermitteln soll. Ein wichtiger Baustein daraus ist das o.g. Bürgerbeteiligungsmodell in Form einer Energiegenossenschaft. Hieraus soll allen die Möglichkeit einer Teilhabe an der Energiewende in Iserlohn ermöglicht werden.
Technische Daten zum KWK-Modell:
- jährliche CO2-Einsparung 16.800 t/Jahr
- jährliche Primärenergieeinsparung 198.209 GJ/Jahr
- KWK-Stromerzeugung
aktuell 765 kwh/Jahr und Einwohner nach Umsetzung 897 kwh/Jahr und Einwohner
- KWK-Stromanteil an Gesamtstromerzeugung
aktuell 14,1 % nach Umsetzung 16,5 %
- KWK-Wärmeanteil an Gesamtwärmeerzeugung
aktuell 12,7 % nach Umsetzung 14,1 %
Entsprechend des Projektaufrufes sollen die im Feinkonzept zur KWK Modellkommune NRW dargestellten Bausteine bis zum Jahr 2017 umgesetzt werden.
Die Erstellung des Feinkonzeptes wurde im Rahmen des Programms „Rationale Energieverwendung, regenerative Energien und Energiesparen; progres.nrw, Programmbereich Innovation“ und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), Ziel 2-Programm 2007 – 2013, Phase VI KWK Modellkommune, Phase 2 Feinkonzepterstellung, Projekt: KW Kommune Iserlohn, gefördert.
Ansprechpartnerin im Iserlohner Rathaus ist die Leiterin der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz Ulrike Badziura, Telefon 02371 / 217-2925, E-Mail: ulrike.badziura@iserlohn.de. Ansprechpartner bei der Stadtwerke Iserlohn GmbH ist der Bereichsleiter Technisches Management Thomas Armoneit, Telefon 02371/807-1660, E-Mail: t.armoneit@stadtwerke-iserlohn.de.
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