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Hanau, 30. August 2021
Mahnmal für Opfer des Anschlags vom 19. Februar 2020 : Fünf Modelle werden öffentlich präsentiert

Die Erinnerung festhalten und öffentlich sichtbar machen. Die Erinnerung an Schmerzhaftes ebenso, wie an Beglückendes – das ist der Sinn von öffentlichen Denkmälern in der heutigen Zeit. Nicht zuletzt dienen sie auch der Selbstvergewisserung einer Gesellschaft, dem Bekenntnis dazu, wo und wofür sie steht.

Wie stark zum Beispiel das Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Neustädter Markt das Bewusstsein der Hanauerinnen und Hanauer prägt und zum Symbol ihrer Stadt geworden ist, wurde in den Tagen nach der Terrornacht des 19. Februar deutlich. Nicht nur an den Tatorten, sondern auch zu Füßen der beiden in Hanau geborenen Brüder wurden spontan Blumen und Kerzen aufgestellt. Die Brüder Grimm, die mit ihren gesammelten Märchen die Hoffnung auf eine bessere Welt festhalten, die sich gegen Willkür eingesetzt und mit ihrer Sprachforschung ein einigendes Band geschlungen haben, waren zum Gegenentwurf des Hasses geworden, der sich in der Nacht zum 19. Februar offenbart hatte.

Einig war und ist man sich in Hanau darüber, dass an die Stelle dieses „Provisoriums“ ein eigenständiges Mahnmal für die Opfer treten soll: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kenan Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Inzwischen hat die Stadt gemeinsam mit den betroffenen Familien Gedenktafeln an den beiden Tatorten aufgestellt, auf dem Hanauer Hauptfriedhof wird neben Ehrengräbern mit einer Gedenktafel an die Opfer erinnert und am Jugendzentrum k-town in Kesselstadt wurde ebenfalls eine Gedenktafel enthüllt. Unabhängig davon soll es ein gemeinsames Mahnmal geben, das nicht nur an die Ermordeten erinnert, sondern auch ein Bekenntnis gegen Hass und Gewalt, für Toleranz und ein friedliches Miteinander sein soll.

Die Stadt Hanau hatte deshalb im Oktober 2020 einen künstlerischen Wettbewerb ausgeschrieben. Um die Kreativität der Künstlerinnen und Künstler nicht einzuschränken, gab es dabei weder Vorgaben hinsichtlich der Gestaltung, des zu verwendenden Materials oder des Standortes. Für die Realisierung stehen 75.000 Euro brutto zur Verfügung. Wie intensiv die Terrornacht von Hanau die Menschen bewegt hat, zeigen insgesamt 118 eingereichte Vorschläge von Künstlerinnen und Künstlern. Aus diesen wurden im Mai, Juni und August 2021 durch einen Fachbeirat und eine Jury der Angehörigen fünf Vorschläge ausgewählt, die am 4. und 5. September 2021 im Congress Park Hanau, Schlossplatz 1, der Öffentlichkeit präsentiert und von dieser diskutiert werden können (Eröffnung am Samstag 4.9. um 15 Uhr, Ausstellung bis 18 Uhr; am Sonntag 5.9. von 11 bis 18 Uhr). Im CPH gelten die 3G-Regeln und es besteht Maskenpflicht.

Die fünf Siegermodelle haben geschaffen: Matthias Braun (Würzburg, www.matthias-braun-architekt.de) mit dem Titel „Bruchstücke“; Heiko Hünnerkopf (Wertheim, www.buero-huennerkopf.de) mit dem Titel „Einschnitt“; Susanne Lorenz (Berlin, www.susanne-lorenz.de) mit dem Titel „WIR“; Carla Mausch (Nürtingen, www.carlamausch.de) mit dem Titel „Der Vielfalt“ und Stephan Quappe Steffen (Trier,

www.binsfeld.de) mit dem Titel „9“. 

Vom 6. bis 18. September 2021 sind die Arbeiten zudem in einer Vitrinenausstellung im Kulturforum am Freiheitsplatz im zweiten Stock zu sehen (Montag bis Freitag 10-20 Uhr, Samstag 11-18 Uhr). Die Präsentation läuft ab Sonntagabend, 5.September, auch auf der Homepage https://www.hanau-steht-zusammen.de/.

Unter Einbeziehung der Erörterungen werden Fachbeirat und Jury anschließend den ersten Platz küren und eine Empfehlung zur Realisierung aussprechen. Die endgültige Entscheidung obliegt den politischen Gremien Magistrat, Ortsbeiräten und Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hanau. Zweifellos werde es in diesem Prozess zu Diskussionen kommen, aber das sei durchaus erwünscht. Die Einbeziehung der Opferfamilien sowie der Hanauer Bürgerinnen und Bürger ist ausdrücklicher Wille von Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Die breite Diskussion sei Teil der Aufarbeitung der Tat, so der OB. „Im besten Fall identifizieren sich nach diesem gemeinsamen Diskurs sowohl die Opferangehörigen als auch weite Teile der Hanauer Stadtbevölkerung mit der Gestaltung dieses Mahnmals“, so der Wunsch des Oberbürgermeisters. Es soll zum zweiten Jahrestag des rassistischen Anschlags am 19. Februar 2022 realisiert werden.  

 



Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266

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63450 Hanau


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