Meldungsdatum: 24.10.2019

Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2019 – Laudatoren und Rahmenprogramm stehen fest

Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. In diesem Jahr wird die Auszeichnung zum 15. Mal vergeben. Für die Verleihung des Hauptpreises an den kenianischen Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Ngũgĩ wa Thiong'o und des Sonderpreises an die Initiative Sea-Watch e.V. am 29. November im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück stehen nun die Laudatoren und die Gäste des Rahmenprogramms fest.

Ngũgĩ wa Thiong'o versteht die Kommunikation unter den Sprachen als friedensstiftendes Element. Er gilt als eine der wichtigsten Stimmen der Literatur aus Afrika, seine im Sammelband Dekolonisierung des Denkens versammelten Essays bestimmen bis heute die Diskussion über die fortbestehenden Folgen der Kolonisierung Afrikas. Im Oktober erscheint eine weitere Essaysammlung mit dem bezeichnenden Titel „Afrika sichtbar machen!“. Über eine Gleichberechtigung der Sprachen sowie eine Dekolonisierung auf allen Ebenen könnten herrschende, postkoloniale Machtverhältnisse in den Ländern Afrikas überwunden und eine eigene, starke Identität gewonnen werden, die letztendlich auch die zu erwartenden Fluchtbewegungen in Richtung Europa verhindern könnte. Prof. Dr. Manfred Loimeier, der sich intensiv mit afrikanischer Literatur beschäftigt und eine Biographie über den Hauptpreisträger geschrieben hat, wird die Laudatio auf Ngũgĩ wa Thiong'o halten.

Prof. Dr. Heribert Prantl, Journalist, Autor und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung und Mitglied der Jury, wird für den Sonderpreisträger Sea-Watch e.V. sprechen. Ende 2014 ist „Sea-Watch aus einer Initiative von Freiwilligen, die sich der Seenotrettung verschrieben haben, entstanden. Am 19. Mai 2015 wurde dann der Verein Sea-Watch e.V. gegründet. Die Lücke einer institutionalisierten, flächendeckenden Seenotrettung mit klarem Mandat, wie etwa Mare Nostrum, die mehr als 130.000 Menschen rettete, aber von der EU nicht übernommen und daher beendet wurde, versucht der Verein so lange wie möglich und im Rahmen seiner Möglichkeiten zu füllen. Die Mitglieder fordern darüber hinaus eine internationale, institutionalisierte Seenotrettung mit eindeutigem Mandat und auf lange Sicht vor allem legale und sichere Einreisewege für Schutzsuchende im Sinne einer #SafePassage.

Unter dem Titel „Afrika geht uns alle an!“ findet am Vorabend der Preisverleihung im Ratssitzungssaal im Rathaus der Stadt Osnabrück eine öffentliche Veranstaltung mit Preisträgern und Laudatoren statt. Die Selbstbestimmung afrikanischer Kulturen, die Loslösung aus kolonialen Zwängen auch zur Vermeidung von Flucht, Dialog zwischen den Völkern trotz oder gerade wegen der verschiedenen Sprachen über das Medium Literatur, Verständnis für den anderen Kontinent, die Verantwortung Europas für die Herrschaftsstrukturen in afrikanischen Ländern und auch die Verantwortung für die Folgen – all das werden Themen des Abends sein.

An der Diskussion beteiligen sich: Ngũgĩ wa Thiong'o, Johannes Bayer (Vorsitzender Sea-Watch e.V.), Prof. Dr. Manfred Loimeier und Prof. Dr. Heribert Prantl. Die Journalistin Birgit Morgenrath wird das Gespräch moderieren. Sie ist Mitglied des Rheinischen JournalistInnen-Büros, ihre Schwerpunktthemen sind die Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur Afrikas. Musikalisch begleitet wird der Abend durch Ray Lema am Klavier. Der im Kongo geborene international bedeutende Musiker der Weltmusik-Szene verbindet Klassik und Jazz, Weltmusik und Rock, wobei er die komplexen vielfältigen Rhythmen seiner Heimat mit europäischen Harmonien vermischt.

„Afrika geht uns alle an!“ Donnerstag, 28. November 2019, 19 Uhr, Ratssitzungssaal (Rathaus Osnabrück). Eintritt 8 € (ermäßigt 5 €). Kartenvorverkauf im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Markt 6, und in der Tourist Information, Bierstraße 22-23, Osnabrück.