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14. April 2020
Ausblick auf den Lichtparcours Braunschweig 2020
Neue Homepage www.lichtparcours.de zeigt Visualisierungen der Lichtkunst an der Oker
Braunschweig.

 

Aufgrund der Corona-Epidemie und der notwendigen Einschränkung des öffentlichen Lebens können derzeit Veranstaltungen, Ausstellungen und kulturelle Formate nicht in gewohnter Form stattfinden. Trotz dieser schwierigen Situation ist das städtische Kulturdezernat der Hoffnung, dass es im Sommer dennoch möglich sein wird, den Lichtparcours 2020, als Ausstellungsformat von Lichtkunst im öffentlichen Raum Braunschweigs, zu verwirklichen. Nachdem die überwiegende Anzahl der Entwürfe Partner und Sponsoren gefunden hat, arbeiten die Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit dem Kulturdezernat an der Realisierung.

Aktuell ist die neue Homepage www.lichtparcours.de online gegangen, auf der zum einen Entwürfe und Visualisierungen der finalen Kunstwerke zu finden sind, welche zwischen dem 13. Juni und dem 9. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Zum anderen werden mögliche Routen für den Lichtparcours 2020 vorgestellt. Darüber hinaus sind auf der Lichtparcours-Homepage die aktuellen Entwicklungsstände der einzelnen Arbeiten zu entdecken.

Im Mittelpunkt des Lichtparcours 2020 steht - auch als Reminiszenz an den ersten Parcours 2000 - die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wasserlauf der Oker und seinen 24 Brücken. Kraftvolle, farbintensive, abstrakte Installationen kontrastieren den in Städten von Werbung durchdrungenen öffentlichen Raum.

In diesem Jahr thematisieren Bjørn Melhus, das Künstlerkollektiv Bar du Bois (namentlich Julian Turner, Andreas Harrer und Florian Pfaffenberger) und das Künstlerpaar Lotte Lindner & Till Steinbrenner die Gegenbilder einer Leistungsgesellschaft, in der Müßiggang, der Stillstand oder der Kontrollverlust als notwendiges Ventil der Regulation verhandelt werden. Während die Bar du Bois, einen gemeinschaftlichen Ort, „der dem Rausch huldigt“ (Zitat: Bar du Bois) schafft, stellt sich bei Bjørn Melhus Arbeit THE BEAT GOES ON, ein in die Oker gerollter Kleinwagen aus dem bunte Lichter, passend zum Bass des 90er Jahre Techno-Beats aufleuchten, die Frage der Konsequenz aus solchen hedonistischen Rauschzuständen. Die langsam aber stetig einen schnell fließenden Fluss hinauf rudernde Person im Film EKSTASE von Lotte Lindner und Till Steinbrenner wiederum verweist auf eine Suche nach einem Glücksmoment im stetigen Tun. Auf verschiedene Weise wird hier Fragen nachgegangen, inwieweit der Rauschzustand, die Ekstase, nicht Teil eines glückseligen Lebens ist.

Auch die Arbeiten von Johannes Wohnseifer und des Berliner Künstlerkollektivs FORT & Anna Jandt sind Teil verschiedenster szenischer Erzählungen. Die von Johannes Wohnseifer konzipierte Skulptur No Sleep besteht aus in einen künstlichen Schlaf versetzten, ausgemusterten Laternen aus dem Braunschweiger Stadtraum. Mit Hilfe einer Lichtsteuerung werden die verschiedenen Schlafphasen simuliert. Eine ähnliche animistische Idee verfolgen auch FORT & Anna Jandt mit ihrer Arbeit Hellsinki. Hierfür versenkt das Kollektiv Straßenlaternen in der Oker, welche nur noch mit ihren leuchtenden Köpfen aus dem Wasser herausschauen. Insbesondere bei Dunkelheit, im Zusammenspiel von Licht und spiegelnder Wasseroberfläche, entfaltet sich der zunächst verstörende Eindruck von Hellsinki zur poetischen Assoziation. Die Skulptur Aqua Alta von Benjamin Bergmann greift dieses Narrativ der Versenkung erneut auf. Sein Beitrag ist eine Art dystopischer Springbrunnen aus einem in die Oker gesetzten Schuttcontainer, über dessen Rand sich Wasser ergießt. Der Titel bezieht sich auf das alljährliche Hochwasser in Venedig und verweist auf deutlich spürbare Zusammenhänge geographischer und klimatischer Veränderungen.

Thematiken, die auch bei den künstlerischen Arbeiten von Sven-Julien Kanclerski anklingen. Der aus einem Patchwork verschiedener recycelter Materialien zusammengefügte stranded drifter von Sven-Julien Kanclerski referiert auf im Ozean treibendes Plastik, welches gleich an drei Standorten entlang der Oker seine Form findet.

Tim Etchells am Löwenwall in unterschiedlichen Intervallen aufleuchtender Schriftzug THE SOUND YOU ARE FRIGHTENED OF IS ONLY THE WIND IN THE TREES liest sich als Behauptung, als ein Auszug aus einem Gedicht oder Märchen, welches versucht, eine beruhigende Geschichte zu erzählen, die Vergewisserung und Zuversicht bringt, erlaubt aber ebenso assoziative Bezüge zu gegenwärtigen Diskussionen rund um das Verhältnis von Umwelt- und Verkehrspolitik, dem natürlichen und dem städtebaulichen Raum.

Auf Architektur, Raum und die damit verbundene Dialektik eines Innen und Außen nehmen auch die Arbeiten von Paul Schwer, Brigitte Kowanz und Nevin Aladağ Bezug. Die Wärterin von Paul Schwer ist eine Hommage an die Wärterin, die in der Vergangenheit im ehemaligen Toilettenhäuschen unterhalb der Steintorbrücke einen Verkaufsstand betrieb. Die markante Form der Architektur der Steintorbrücke verdoppelt der Künstler mit einem transparenten, pink bemalten Kunststoff und lässt diese wie eine Spiegelung aus Licht über der Architektur schweben.

Auf andere Weise inszeniert die Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz den architektonischen Raum. Erstmals installiert sie ihre ins Leere laufende Lichttreppe LIGHT STEPS im öffentlichen Raum.

Die Poetik dieser im Raum schwebenden Elemente als auch die merkwürdige Verkehrung von Innen und Außen taucht auch in Color-floating 1 & Color-floating 2 von Nevin Aladağ auf. Zwei Aluminiumformen werden mit farbigen und strukturierten Feinstrumpfhosen überzogen und über der Oker schwebend installiert, sie erinnern dabei an behagliche Wohnzimmeratmosphäre. Durch die Verschiebung unserer Wahrnehmung entpuppt sich der öffentliche Raum als Ort, an dem vermehrt Privates verhandelt und damit zum Teil des politischen und sozialen Miteinanders wird.

Das Institut für Architekturbezogene Kunst der TU Braunschweig behandelt in einer gemeinschaftlichen Arbeit unter dem Titel kieloben ähnliche Themen. Das innere Leuchten eines vermeintlich gekenterten Bootes wird von den Besuchenden über einen Seilzug aktiviert, womit ein nicht sichtbarer Raum markiert und neu interpretiert werden kann.

Das Unsichtbare, das Unhörbare ist es auch, was Joseph Zehrer in seiner Arbeit Neptuns Combo erfahrbar machen möchte. Zwölf verschieden lange Angelrouten stehen in gleichmäßigen Abständen am Ufer. An jedem dieser Enden befindet sich eine mondähnliche Kugel, die wiederum mit einem Unterwassermikrofon verbunden ist. Die verschiedenen Töne werden in unterschiedlich starke Lichtsignale übertragen. Sie machen erlebbar, was wir Menschen zwar nicht unmittelbar hören und sehen können, was aber dennoch direkten Einfluss auf uns nimmt.

Auf eine alltägliche Erfahrungswelt, welche wir fragmenthaft wahrnehmen, spielen die künstlerischen Beiträge von Anselm Reyle und Martin Groß an. Beide Künstler reizen die Abstraktion der Werbesprache formal in verschiedene sprachliche und textuelle Richtungen aus. Als dreidimensionale Zeichnung lässt sich das abstrakte 3D-Informell She will o the wind unter der Drachenbrücke hängend von Anselm Reyle beschreiben. Die neunteilige, textbasierte Installation TIRED EYES von Martin Groß referiert dabei auf zeitgenössische Werbeelemente. In unterschiedlichen Richtungen und Geschwindigkeiten laufen auf digitalen LED-Scrollingboards vom Künstler verfasste Texte, Zitate und Transkripte. Der Funktionsmechanismus wird zum Zeichen zunehmender Geschwindigkeit von Informationsströmen in unserer Gesellschaft, die Textinhalte werden zum Kommentar zeitgenössischer Kommunikation.

Darüber hinaus werden auch die permanenten Installationen zurückliegender Lichtparcours von Michael Sailstorfer, Yvonne Goulbier, Mark Dion und Fabrizio Plessi in den diesjährigen Parcours einbezogen. Die diesjährigen Lichtkunstarbeiten können im Rahmen des Lichtparcours 2020 realisiert werden, weil es zahlreiche Titelsponsoren, Sponsoren, Förderer und Partner gibt, die sich für den Lichtparcours bzw. die einzelnen Positionen engagieren.

Webseite mit Bildmaterial: www.lichtparcours.de

Kontakt zum Veranstalter: Stadt Braunschweig, Dezernat für Kultur und Wissenschaft, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig, Tel +49 (0)531 470 4865, Fax +49 (0)531 470 4804, e-Mail: lichtparcours@braunschweig.de.

 

 

 






Stadt Braunschweig - Referat Kommunikation - Platz der Deutschen Einheit 1 - 38100 Braunschweig
Pressesprecher: Adrian Foitzik, Rainer Keunecke, Sabrina Bindernagel
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Internet: http://www.braunschweig.de - Email: kommunikation@braunschweig.de

Weitere Informationen unter:
www.braunschweig.de

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