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Hanau, 05. Februar 2021
Gemeinsame Gedenkfeier des Landes Hessen und der Stadt Hanau zum Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags
Bundespräsident Steinmeier hält Gedenkrede Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Kaminsky: „Wir gedenken gemeinsam der Opfer. Sie sind und werden niemals vergessen.“

Zum ersten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky gemeinsam in einer Gedenkfeier des Landes Hessen und der Stadt Hanau an die neun Opfer der Tat erinnern. An der Veranstaltung, die am 19. Februar 2021 in Hanau stattfinden wird, wird außerdem Rudi Völler als Ehrenbürger der Stadt Hanau teilnehmen.

„Unser oberstes Ziel ist es, gemeinsam fortwährend gegen Hass und Hetze zu kämpfen und uns den Feinden unserer Demokratie entschieden entgegenzustellen. In unserer Gesellschaft darf kein Platz für Menschen sein, die Gewalt und Rassismus verbreiten – der schreckliche Anschlag von Hanau wird uns immer Mahnung dafür sein. Ein Jahr nach der Tat wollen wir gemeinsam der Opfer gedenken. Sie sind und werden niemals vergessen“, sagten Ministerpräsident Volker Bouffier und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „Die Erinnerung an die Opfer lebt in den Herzen ihrer Familien und Freunde. Deren Schmerz um ihren Verlust ist heute so groß wie am ersten Tag und wird niemals vorübergehen. Wir stehen an der Seite der Angehörigen und zeigen, dass es immer unsere oberste Priorität ist, sie zu unterstützen und nicht alleine zu lassen“, so Bouffier. „Wir wissen, dass gerade die Familien noch offene Fragen haben. Es ist uns eine Verpflichtung zu helfen, und diese Fragen – soweit es uns möglich ist – zu beantworten.“

„Den 19. Februar als Gedenktag zu verankern, ist meine Pflicht, ist aus wichtigen Gründen die Pflicht der Stadt Hanau. An diesem Tag gilt es in erster Linie und in besonderer Weise, gemeinsam mit den Familien der Opfer des rassistischen Anschlags innezuhalten und ihnen an diesem dramatisch-traurigen Datum in Nächstenliebe zur Seite zu stehen. Wir als Stadt und ich ganz persönlich tun dies seit nun einem Jahr täglich. Ich unterstütze die Familien auch in ihrer mehr als berechtigten Forderung nach Aufklärung. Die Antworten sind auch für die Hanauerinnen und Hanauer von großer Bedeutung. Wir wissen, dass am 19. Februar Menschen aus Hessen, Deutschland und der ganzen Welt wieder nach und auf Hanau schauen werden. An dieser Stelle bedanke ich mich ausdrücklich für die Anteilnahme, die uns aus der ganzen Welt erreicht hat. Ich ganz persönlich und wir Hanauerinnen und Hanauer wollen und werden zeigen, dass wir uns der Verantwortung stellen. Für die Familienangehörigen der Opfer und für alle Hanauerinnen und Hanauer. Denn auf die Fragen, wie wir in Zukunft gemeinsam in Frieden miteinander leben wollen und können, braucht es Antworten und Angebote für Dialog, Diskussion, Beratung und Betreuung. So hat die Stadt Hanau ein halbes Jahr nach dem rassistischen Attentat das Zentrum für Demokratie und Vielfalt gegründet. Ein offener Raum für die Bürgerinnen und Bürger – nicht nur, aber vor allem aus Hanau –, der der Demokratieförderung dient“, so Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Die Gedenkfeier wird unter Beachtung aller Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie mit rund 50 geladenen Gästen im Congress Park Hanau stattfinden. Neben einem kurzen Film, der sich den Ereignissen des 19. Februar 2020 widmet, sind auch persönliche Videoansprachen der Opferfamilien geplant. Symbolisch und in Erinnerung an jedes der neun Opfer wird eine freistehende und beleuchtete Namenssäule auf der Bühne stehen.  Zum Ende der Gedenkfeier werden um 19.02 Uhr alle Glocken der Stadt läuten. Daneben gibt es am Gedenktag viele Aktionen gegen Rassismus in Hanau, an denen sich Vereine, Unternehmen, Schulen, Religionsgemeinschaften und andere beteiligen. „Wir ermöglichen trotz der schwierigen Umstände ein würdiges Gedenken“, betonten Bouffier und Kaminsky. „In dieser Form möchten wir gemeinsam an die Opfer der Tat erinnern und gleichzeitig ein Zeichen gegen Rassismus, Hass und Hetze setzen.“

„Das Schicksal der neun Menschen, die am 19. Februar 2020 dem rassistischen Anschlag zum Opfer gefallen sind, ist mit der Stadt Hanau verbunden und wird es bleiben. Daher werden wir am ersten Jahrestag der Gräueltaten als Stadt Hanau auf der Seite www.hanau-steht-zusammen.de ein Digitales Denkmal eröffnen. Zum Gedenken an die Opfer, die keine Fremden waren. Und als Mahnung, dass so eine Tat nie wieder geschehen darf. Sowie mit klaren Blicken in die Zukunft. Ich bin allen Beteiligten, insbesondere den Familienangehörigen der Opfer und den Hanauerinnen und Hanauern dankbar für das Mittun für eine friedliche Zukunft. Hanau ist bunt und vielfältig“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Bundespräsident Steinmeier war unmittelbar nach dem Anschlag am 20. Februar 2020 nach Hanau gekommen. Dort hatte er sich mit den Angehörigen der Opfer getroffen und am Abend auf dem Marktplatz zu den Hanauerinnen und Hanauern gesprochen. Bei der zentralen Trauerfeier am 4. März 2020 hat der Bundespräsident in Hanau die Trauerrede gehalten. Am 23. September 2020 hatte er Angehörige aller Opfer ins Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen und sich dort mit jeder Familie zu einem persönlichen Gespräch getroffen.

„Seit dem ersten Tag nach der schrecklichen Tat ist es mir ein persönliches Anliegen, mit den Familien der Opfer in Kontakt und im persönlichen Dialog zu bleiben“, betonte Ministerpräsident Bouffier. Er war mit den Angehörigen der Opfer unmittelbar nach dem Anschlag in Hanau und erneut am 26. August 2020 in Wiesbaden zusammengekommen, um sich aus erster Hand über ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse zu informieren. Mit den Interessengemeinschaften und Verbänden, die die Belange der Opferfamilien vertreten, fand am 5. März 2020 ebenfalls ein Treffen statt.

Bereits unmittelbar nach dem Anschlag haben Landesregierung und Sicherheitsbehörden Hilfs- und Begleitangebote für die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Opfer angestoßen und bestehende Präventionsprogramme des Landes weiter ausgebaut.

Dazu zählt beispielsweise die Einrichtung eines Fonds des Landes Hessen für Opfer von Straftaten, der auch den Opferfamilien von Hanau zugutekommen wird. Dafür stehen zwei Millionen Euro bereit. Aus dem Fonds sollen Opfern von Straftaten Hilfen zur Bewältigung des erlittenen Unrechts und seiner Folgen gewährt werden. Der Fonds soll dort greifen, wo bereits vorhandene Leistungen beispielsweise aus dem Opferentschädigungsgesetz noch Lücken lassen und somit unbürokratische schnelle Hilfe leisten. Ein Opferbeauftragter des Landes ist zudem für die Angehörigen jederzeit ansprechbar. Er vermittelt Kontakte zu Opferschutzorganisationen und steht den Familien bei der Geltendmachung von Ansprüchen aus dem Opferentschädigungsgesetz sowie gegenüber der Unfallkasse unterstützend zur Seite.

Auch der maßgeblich vom Land getragene Opferhilfeverein Hanauer Hilfe stellt konkrete Hilfsangebote insbesondere in der Traumaverarbeitung zur Verfügung und unterstützt bei Anträgen und weiteren finanziellen Hilfen. Geschulte Polizeibeamte stehen den Opfern und Hinterbliebenen ebenfalls weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Gemeinsam mit der Stadt Hanau wurde außerdem ein Sonderförderprogramm mit einem Fördervolumen von 600.000 Euro (für die Jahre 2020 bis 2022) aufgelegt. Gefördert werden insbesondere Vereine oder andere Institutionen, die sich für die Bedarfe in der Opferbetreuung und in der Etablierung eines angemessenen Gedenkens engagieren.

„Es ist für mich von größter Bedeutung, an diesem Jahrestag mit den Angehörigen gemeinsam in stiller Trauer den Opfern zu gedenken“, erklärte Bouffier abschließend. „Wir werden auch weiterhin in engem Austausch mit den Familien stehen und sie voll unterstützen.“

 

Hinweis: Die Gedenkveranstaltung anlässlich des ersten Jahrestages des rassistischen Anschlags von Hanau wird live im HR-Fernsehen übertragen. Auf der Seite www.hanau-steht-zusammen.de/Gedenktag der Stadt Hanau wird die Gedenkfeier im Rahmen einer Sondersendung (als Livestream) übertragen, die bereits um 17.30 Uhr beginnt.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Pressestelle, Telefon 06181/295-929

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