Meldungsdatum: 03.09.2021

Trocknung von durchfeuchteten Wänden, Decken und Böden

Leitfaden der Ingenieurkammer-Bau NRW

Für viele von der Flutkatastrophe betroffene Haushalte stellt die Trocknung der durchfeuchteten Gebäude derzeit eine große Herausforderung dar. Tatsächlich gilt es, bei der korrekten Gebäudetrocknung einige wichtige Aspekte zu beachten. Die Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen hat deshalb einen für den Laien leicht zu handhabenden Leitfaden für die korrekte Gebäudetrocknung entwickelt:

Punkt 1: Entfernen von durchfeuchteten Ausbaumaterialien (z. B. Gipskarton, ggfs. Wand- und Bodenbeläge, etc.). Lattungen können verbleiben.

Punkt 2: Aufstellen eines oder mehrerer Trocknungsgeräte in einem Raum (regelmäßige Kontrolle und Leeren des Wasserauffangbehälters erforderlich) und Ventilatoren in anderen Räumen ohne Trocknungsgeräte, die aber mit dem erstgenannten in einer offenen Verbindung stehen müssen.

Punkt 3: Fenster und Zugang während des Trocknungsvorgangs geschlossen halten.

Punkt 4: Räumlichkeiten möglichst über die Außentemperatur beheizen (hier können z. B. auch normale elektrische Heizlüfter eingesetzt werden). Die Raumtemperatur sollte dabei aber nicht über 25°C eingestellt werden. Raumtrockner arbeiten mit der Kondensation durch Abkühlung von Luft. Wenn die Luft zu warm ist, kommen die Geräte nicht in die Kondensation.

Punkt 5: Einsatz von einfachen Haushalts-Ventilatoren, um den Luftaustausch in den Räumen zu erhöhen. Ventilatoren führen den Trocknungsgeräten immer wieder feuchtere Luft aus den Räumen zu in denen kein Trocknungsgerät steht!

Punkt 6: Räume mit Verbundestrich (Estrich ohne Dämmung) mit oder ohne Fliesen, können ohne Ausbau getrocknet werden. Das Wasser unter dem Estrich diffundiert über einen längeren Zeitraum durch die Fliesen-Fugen nach und nach heraus und erzeugt keine Schäden.

Sollte sich in den Räumlichkeiten ein schwimmender Estrich (Wärmedämmung unterhalb des Estrichs) befinden, muss dieser komplett ausgebaut werden.

Alternativ kann eine aufwendige Trocknung durch eine Fachfirma mit Bohrungen und Schlauchsystemen erfolgen. Diese Art der Trocknung eines schwimmenden Estrichs ist in der Regel kostengünstiger, aber sehr zeitaufwändig und wird zu Bauverzögerungen führen. Allerdings sollte diese Art der Trocknung spätestens 4 Wochen nach Eintritt des Schadens begonnen werden. Auch unter Estrich kann die Dämmung von Schimmel befallen sein, dann gelangen Sporen in den Raum. Vor Beginn und nach der Trocknung sollte eine Messung durch die Trocknungsfirma oder ein Labor erfolgen.

Punkt 7: Sind die Wände mit Gipsputz versehen, ist dieser zu entfernen. Kalk/Zementputz kann auf den Wänden verbleiben und verzögert die Mauerwerkstrocknung nur geringfügig.

Punkt 8: Sollte Schimmelbefall festgestellt werden, kann dieser durch das Entfernen des befallenen Werkstoffes beseitigt werden, oder bei geringfügigem Befall durch ein im Fachhandel erhältliches Sprühmittel beseitigt werden. Bei großflächigem Schimmelbefall sind Fachleute einzuschalten. Bei den Arbeiten ist immer eine Schutzausrüstung (Mundschutz, Handschuhe) zu tragen.

Hinweis: Schimmel bildet sich in der Regel durch organisches Material,
(Tapeten, Dispersionsfarben, Hautschuppen, Staub, Pollen etc.) welches sich in der Raumluft befindet und auf feuchten, kalten Oberflächen absetzt. Die Schimmelsporen sterben allein durch die Trocknung ab, werden schwarz und unschädlich. Ein Anti-Schimmel-Mittel beschleunigt diesen Prozess. Auch tragende Holzkonstruktionen können durch Trocknung vom Schimmel befreit werden.

Die Bauteiltrocknung benötigt in der Regel 4-8 Wochen. Selbst wenn die Bauteile oberflächlich trocken erscheinen, befindet sich in der Regel in der Konstruktion noch Feuchtigkeit. Diese muss über einen längeren Zeitraum herausgetrocknet werden.
Ein Indiz für die erfolgte Trocknung ist die deutliche Reduzierung der Trocknungsflüssigkeit im Gerät.