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26.12.2020 - Stadt Hanau


Wegen Hochwassergefahr Biberdamm an Oderstraße abgesenkt – Biber nicht vom Fallbach vertrieben


„In solchen Fällen hat der Hochwasserschutz Vorrang“, erklärt Stadtrat Thomas Morlock des an Heilig Abend notwendig gewordenen Absenkens des Biberdamms am Fallbach direkt neben der Oderstraße. Es sei erfahrungsgemäß damit zu rechnen, dass der Biber trotz des unter den zuständigen Behörden abgestimmten Eingriffs nicht vom Fallbach vertrieben werde. „Dort besteht ein ausreichendes Nahrungsangebot, zudem wurde das entnommene Dammbaumaterial vor Ort belassen“, so Morlock weiter. Mit ersten Reparaturarbeiten des Bibers rechnen die Fachleute schon in den kommenden Nächten, wenn die Abflussmengen nach den starken Niederschlägen der vergangenen Tage zurückgegangen sind. Sie beobachten die Lage in den kommenden Tagen regelmäßig. Der Wasserspiegel wurde durch den gezielten Rückbau der Dammkrone nur soweit abgesenkt, dass der für den Biber wichtige Eingang zu seiner Burg nach wie vor unterhalb der Wasseroberfläche liegt.

Das Absenken des Biberdamms am Fallbach erfolgte auf Anordnung der Unteren Wasserbehörde des Main-Kinzig-Kreises vom 23. Dezember. Befürchtet wurden Überflutungen von Wohn- und Gewerbeflächen, da an den beiden Tagen zuvor bereits erhebliche Niederschlagsmengen zu verzeichnen gewesen waren.

Dass bei Überflutungsgefahr solche Eingriffe erforderlich sind, war bereits bei einem gemeinsamen Ortstermin bewusst geworden. Daran hatten Ende September Obere und Untere Wasserbehörde sowie von der Stadt Hanau die Untere Naturschutzbehörde (Gewässerberatung) und der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) teilgenommen. „Dabei wurde vereinbart, den neu entdeckten Damm zunächst zu belassen und abzuwarten, ob es zu kritischen Auswirkungen hinsichtlich des Abflusses kommt“, berichtet HIS-Betriebsleiter Markus Henrich.

Bis zum Anstieg der Abflussmengen infolge erhöhter Regenmengen habe es „keinen Anlass gegeben einzugreifen“, so Henrich weiter. Die Situation wurde mehrmals pro Woche kontrolliert und dabei keine kritische Situation erkannt.

Dies änderte sich am 23. Dezember. Die Untere Wasserbehörde des Main-Kinzig-Kreises erhielt Anrufe von besorgten Anrainern, die eine Überflutung ihrer Anwesen befürchteten. Daraufhin nahm sie Kontakt mit der Stadt Hanau auf, die in ihrem Gebiet für die Unterhaltung des Fallbaches verantwortlich ist. Die Wasserbehörde bat darum, die Situation durch Absenken des Biberdammes zu entschärfen, da eine weitere Zunahme der Abflussmengen zu befürchten war.

Da ein Eingriff am gleichen Abend nicht mehr möglich war, wurde der Biberdamm an Heilig Abend durch eine Baufirma um einige Dezimeter abgesenkt. Die Firma wurde ausdrücklich angewiesen, den Damm nur abzusenken und das entnommene Material vor Ort zu belassen. „Damit soll der Biber nach Ablaufen der aufgestauten Wassermengen ausreichend Baumaterial für Reparaturarbeiten zur Verfügung haben“, erklärt Stadtrat Morlock.

Nach Entnahme des oberen Dammmaterials senkte sich der Wasserspiegel um das gewünschte Maß, wodurch die Überflutungsgefahr deutlich abnahm. „Der Wasserspiegel wurde jedoch nicht so weit abgesenkt, dass Gefahr für den Eingang zur Biberburg bestand“, so Morlock weiter. Die Biberburg befindet sich nördlich der Autobahn (A66) am sogenannten Flugplatzgraben, einem Seitenzufluss des Fallbaches, über den die größeren Wassermengen abfließen, weil dorthinein das Areal des ehemaligen Fliegerhorsts Langendiebach und die Fischzucht in Autobahnnähe entwässert. Der Biberdamm im Fallbach dient in erster Linie dazu, im Flugplatzgraben bei geringen Abflüssen einen ausreichenden Wasserstand zu sichern, um den Zugang zur Biberburg zu schützen.

Ähnliche Eingriffe wie jetzt am Fallbach hatte die Untere Wasserbehörde bereits an der Gründau in Langenselbold und am Krebsbach in Bruchköbel veranlasst. In allen Fällen wird erwartet, dass der Biber seine Dammbauten wieder soweit herrichtet, dass sie die beabsichtigte Funktion erfüllen. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass ein ähnliches Vorgehen erneut notwendig ist, wenn die Abflussmengen stark zunehmen.

„Sollten sich Fälle mit Überflutungsgefahr häufen, sind gegebenenfalls wasserbauliche Maßnahmen erforderlich, um ein wiederholtes Eingreifen zu verhindern“, sagt der Stadtrat. Wie diese konkret aussehen könnten, müsste aber in enger Abstimmungen zwischen den beteiligten Behörden und der Stadt erarbeitet werden.

„In und um Hanau besteht das generelle Problem im geringen Sohlgefälle der Gewässer, das in den meisten Fällen unterhalb von einem Prozent liegt“, gibt Michael Ruess zu bedenken, bei HIS zuständiger Abteilungsleiter für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz. Das heißt:  Die Auswirkungen einer 1 Meter hohen Barriere wirken sich noch mehr als 100 Meter oberhalb aus, während bei einem Gebirgsbach mit einem Gefälle von 10 Prozent die Auswirkungen bereits nach 10 Metern nicht mehr festzustellen sind.



Pressekontakt: Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266

Kontaktdaten:
Stadt Hanau
Öffentlichkeitsarbeit
Am Markt 14-18
63450 Hanau



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