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03.03.2022 - Stadt Leverkusen


Gleichstellungs- statt Frauenbüro: Das Ziel ist Chancengleichheit

1985 war die Stadt Leverkusen eine der ersten Städte in Deutschland, die sich Gleichstellung von Frauen zur Aufgabe machte und eine Gleichstellungsbeauftragte einsetzte. Nun will das Büro sichtbar als Anlaufstelle für alle Menschen in gleichstellungsrelevanten Anliegen wahrgenommen werden. Daher wird es umbenannt und heißt seit dem 1. März ‚Gleichstellungsbüro‘.


„Dieser neue Titel soll ein deutliches Signal senden“, so Oberbürgermeister Uwe Richrath, „wir wollen das Frauenbüro sichtbar öffnen für alle Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Identität oder Lebensweise Nachteile haben.“ Das gilt für die Arbeit des „Gleichstellungsbüros“ in der Stadtverwaltung, aber auch für seine Arbeit in Kooperation mit anderen Akteur*innen der Stadt.

„Unsere Kernaufgabe ist dabei nach wie vor die Gleichstellung in der Verwaltung“, erklärt Cornelia Richrath. „Spätestens seit 1999 das Landesgleichstellungsgesetz in Kraft trat, gehört die Gleichstellung im Betrieb zu den Pflichtaufgaben der Kommune. Schon vorher arbeitete die Stadt Leverkusen aber systematisch daran, Frauen zu fördern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.“

Der erste Frauenförderplan der Stadt Leverkusen stammt aus dem Jahr 1988. Darin wurden Grundsätze festgeschrieben, die noch heute Geltung haben. So etwa der Grundsatz, bei Stellenausschreibungen grundsätzlich die männliche und weibliche Form zu verwenden und „bei der Besetzung von höherwertigen Stellen“ Frauen „bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung“ bevorzugt zu berücksichtigen.

Wie nötig das war, zeigt die Analyse der statistischen Beschäftigungsdaten von 1987: Frauen waren in Führungspositionen so gut wie nicht vorhanden: Unter den 36 Amtsleitern war keine Frau und von den 68 Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleitern gab es lediglich drei weibliche. Bei der Besoldung setzte sich die Ungleichheit fort: Nur gerade 1,4 Prozent der Angestellten im besser bezahlten höheren Dienst waren Frauen.

In den unteren Besoldungsgruppen kehrte sich dieses Verhältnis um, sprich: dort gab es überproportional mehr Frauen. Heute sieht das deutlich anders aus: Fast die Hälfte der Fachbereiche und Büros werden von Frauen geleitet und bei den höheren Besoldungsgruppen sind ebenfalls zur Hälfte Frauen eingruppiert.

Weil sich die Entgeltstruktur im öffentlichen Dienst und deren Betrachtung im Rahmen eines Gleichstellungsplans in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat, ist ein differenzierterer Vergleich schwierig. „Festzuhalten bleibt aber, dass sich in der Stadtverwaltung Leverkusen viel zugunsten der weiblichen Angestellten und Beamtinnen verändert hat. Auch im Selbstverständnis“, stellt Oberbürgermeister Uwe Richrath fest. Diese Daten aus den späten achtziger Jahren wirkten heutzutage anachronistisch. „Deutlich wird in diesem Vergleich aber auch, wie wichtig der gezielte Einsatz der Gleichstellungsstelle war und ist. Ohne deren Engagement für Frauenförderung, ohne die Selbstverpflichtung des Verwaltungsvorstands, diese Arbeit mit dem Frauenförderplan zu unterstützen, wäre das nicht geschehen.“

Inzwischen erhalten alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst unabhängig vom Geschlecht für gleiche Arbeit die gleiche Bezahlung. Das ist durch gesetzliche Vorgaben zur tariflichen und besoldungsrechtlichen Ausgestaltung der Entlohnung geregelt.

„Die Stadt Leverkusen ist in dieser Hinsicht ihrer Zeit lange voraus gewesen und davon profitieren wird heute“, ergänzt die Gleichstellungsbeauftragte Cornelia Richrath. „Inzwischen haben sich allerdings die Erwartungen weiterentwickelt. So wie unsere Gesellschaft vielfältiger und komplexer geworden ist, muss auch Chancengleichheit neu betrachtet werden.“ Dabei müssten auch neue Ziele den ursprünglichen Zielen nicht widersprechen. „Wenn wir beispielsweise die jungen Männer in unserer Verwaltung unterstützen, Familie und Beruf zu vereinbaren, wirkt sich das auch auf die Frauen aus.“

Ein Indikator dafür ist die Teilzeitbeschäftigung. 1987 war noch jede zweite Frau bei der Stadt teilzeitbeschäftigt, heute sind es knapp über 30 Prozent. Der Anteil von Männern, die teilzeitbeschäftigt sind, liegt bei knapp vier Prozent. „Da gibt es noch viel Luft nach oben“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aber für Männer wichtiger wird, zeigt die Quote der Elternzeit, die vom zweiten Elternteil, in der Regel Väter, in Anspruch genommen wird: seit 2017 sind es mehr Männer geworden, die ihre zwei Monate Partnerzeit ausnutzen. So wurden im Jahr 2017 von allen Beschäftigten insgesamt 139 Elternzeitabschnitte in Anspruch genommen, 29 davon von Männern, 2021 wurden insgesamt 170 Elternzeitabschnitte genommen, davon 34 von Männern. 2017 nahmen die Männer im Durchschnitt 49 Tage, 2021 waren es bereits 60 Tage.

„Gleichstellungsarbeit führt zu mehr Gerechtigkeit“, so Oberbürgermeister Uwe Richrath. „Das zeigt die Frauenförderung. Und das macht uns auch als Arbeitgeber besonders.“ Dieser positive Effekt soll sich auch intern auf die Verteilung von Familienarbeit oder auf andere von Benachteiligung betroffene Gruppen ausweiten. „Mit einer sichtbar größeren Chancengleichheit für Zielgruppen, die von Benachteiligung und Diskriminierung betroffen sind, kann die Stadt eine offene Verwaltung nach innen und nach außen signalisieren und ihre Attraktivität als Arbeitergeberin weiter steigern“, heißt es in einer Information des Rates zur Umbenennung. Mit Zustimmung des Verwaltungsvorstands wurde daher im Dezember beschlossen, das Frauenbüro in „Gleichstellungsbüro“ umzubenennen.



Pressekontakt: Heike Fritsch

Kontaktdaten:
Stadt Leverkusen - Pressestelle
Friedrich-Ebert-Platz 1
51373 Leverkusen

Telefon: (0214) 406-8878
Telefax: (0214) 406-8862
Mail: presse@stadt.leverkusen.de

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©  - Neuer Name - neues Logo Gleichstellungsbeauftragte und Oberbürgermeister stellten mit dem neuen Namen auch das neue Logo vor

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