31.07.2025 - Stadt Bocholt - Fahrradfreundliche Stadt im Münsterland
Stadtgeschichte: Das Schul- und Spritzenhaus am GasthausplatzFoto des Monats August des Stadtarchivs Bocholt
Bocholt. Das Foto des Monats August zeigt das ehemalige "Schul- und Spritzenhaus" am Bocholter Gasthausplatz. Das Foto wurde gegen 1920 in der Bocholter Langenbergstraße erstellt.
Bis zum Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts war der Gasthausplatz in Bocholt eigentlich gar kein ausgedehnter Platz im eigentlichen Sinne. Es handelte sich vielmehr um ein größeres städtisches Grundstück, auf dem sich einst das Armenhaus der Stadt - oder auch „Gasthaus“ genannt - befunden hatte.
Der Bereich bot genug Freifläche, so dass hier eine großzügige Bebauung vorgenommen werden konnte. Dort standen früher drei Schulbauten. Von daher trug der Verkehrsweg, der zur Osterhinterstraße (später Gasthausstraße) führte, auch die Bezeichnung „Schulstraße“.
Im Laufe des Jahres 1881 ließ die städtische Behörde an der Nordseite des im Volksmund benannten Gasthausplatzes ein neues Schul- und Spritzenhaus erbauen, das auf der rechten Seite des um 1920 entstandenen Fotos zu sehen ist. Der Betrachter der Szene befindet sich in der oberen Langenbergstraße mit Blickrichtung nach Osten. Ganz rechts sieht man zunächst den Laden des Kolonialwarenhändlers Johann Hinse. Sodann erhebt sich an der Ecke zum Gasthausplatz das Feuerwehrgerätehaus mit seinen vier Ein- und Ausfahrtstoren.
In der ersten Etage darüber lagen zwei Klassenzimmer. Die Häuserreihe setzt sich mit dem Geschäft des Buchbindermeisters Karl Wissing fort. Ursprünglich hatte die Stadt Bocholt auf Grund der wachsenden Bevölkerungszahl im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zwei Schullokale errichten wollen. Da aber das bisherige Spritzenhaus aus dem Jahre 1864 mittlerweile baufällig geworden war, entschied man sich für eine Doppellösung am Gasthausplatz. Das massive Gebäude umfasste eine Grundfläche von 227 qm und besaß eine verklinkerte Fassade mit zeittypischen Verzierungen unterhalb des Ortganges am Giebel sowie über den Fenstern der Klassenzimmer.
Den Bauplan entwarf die städtische Baukommission unter der Federführung des Ingenieurs Clemens Forstmann, die Ausführung geschah durch den örtlichen Bauunternehmer Heinrich Kemper. Für den damaligen Bürgermeister Bernhard Degener war die Errichtung dieses Hauses übrigens mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden, weil der Zeitplan bis zur Eröffnung der Schullokale zum Herbst 1881 nicht eingehalten worden war.
Am 23. August 1915 wurde die Schulstraße umbenannt und führte seither den Namen „Am Gasthausplatz“. Im Zuge einer Neugestaltung des gesamten Areals gab man das Haus schließlich auf. Der Abbruch dieses „finsteren Kastens“, wie das Spritzen- und Schulgebäude damals verächtlich genannt wurde, begann am 6. August 1929.
Foto: Stadtarchiv Bocholt, Bildsammlung Nr. 2014, Text: Wolfgang Tembrink
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Foto des Monats August
Foto des Monats August
© Stadtarchiv Bocholt, Bildsammlung Nr. 2014
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