27.07.2026 - Stadt Mönchengladbach
Schulabsentismus früh erkennen und gemeinsam handeln
Mehr als jedes achte Grundschulkind in Mönchengladbach weist schulisch relevante Fehlzeiten auf. Das zeigt das erste kommunale Themendossier zum Schulabsentismus, das jetzt vorgestellt wurde. Erstmals liegen damit umfassende Daten für die Mönchengladbacher Grundschulen vor. Eine Erhebung, mit der Mönchengladbach auch landesweit eine Vorreiterrolle einnimmt.
Für die Auswertung wurden Daten von 34 der 35 Grundschulen im Stadtgebiet erhoben. Nach Bereinigung um rein medizinisch begründete Fehlzeiten verblieben 1.024 Kinder mit schulisch relevanten Fehlzeiten. Das entspricht 12,8 Prozent der rund 8.000 erfassten Schülerinnen und Schüler. Besonders auffällig: Die höchsten Quoten zeigen sich bereits in den ersten Schuljahren und sie lassen einen Zusammenhang mit dem Schulsozialindex erkennen. (Der Schulsozialindex zeigt, wie stark eine Schule durch soziale Herausforderungen belastet ist. Er hilft dabei, Schulen mit einem höheren Unterstützungsbedarf zu erkennen und Förderangebote gezielt einzusetzen.)
„Das Dossier macht deutlich, dass Schulabsentismus kein Randphänomen ist und häufig lange vor einer akuten Schulverweigerung beginnt“, sagt der Fachbereichsleiter Schule und Sport Dr. Sascha Derichs. „Wer frühzeitig handelt, kann Bildungsbiografien stabilisieren und Kindern bessere Chancen für ihren weiteren Lebensweg eröffnen.“
Die Analyse zeigt, dass Fehlzeiten meist nicht auf einzelne Ursachen zurückzuführen sind. In fast 87 Prozent der Fälle wurden mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig benannt. Dazu zählen unter anderem familiäre Überforderung, Ängste und Unsicherheiten der Kinder sowie Schwierigkeiten im Umgang mit dem Bildungssystem.
Das Themendossier versteht Schulabsentismus ausdrücklich nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als komplexes Zusammenspiel schulischer, familiärer, gesundheitlicher und sozialer Faktoren. Ziel ist es deshalb, Prävention, Unterstützung und Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendhilfe und weiteren Akteuren gezielt weiterzuentwickeln.
„Mit den Auswertungen schaffen wir erstmals auch landesweit eine belastbare Datengrundlage für kommunale Entscheidungen. Uns ist nicht bekannt, dass eine andere Kommune oder das Land im Besitz dieser Informationen ist “, so Dr. Derichs. „Damit können wir Unterstützungsangebote künftig noch gezielter dort einsetzen, wo der Bedarf besonders groß ist.“
Der Rat der Stadt soll die Verwaltung nun beauftragen zu prüfen, wie bestehende Ressourcen und Unterstützungsangebote künftig noch wirksamer eingesetzt werden können. Dabei sollen insbesondere belastete Schulstandorte, die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen sowie mögliche organisatorische und strukturelle Verbesserungen in den Blick genommen werden.
Zu den zentralen Handlungsempfehlungen gehören ein früheres Ansetzen bereits beim Übergang von der Kita in die Grundschule, niedrigschwellige Unterstützungsangebote für Familien, verbindliche Kooperationsstrukturen sowie eine stärkere Bündelung von Ressourcen an besonders belasteten Standorten.
„Schulabsentismus wirksam zu begegnen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, betont der Dezernent für Soziales, Jugend und Gesundheit Sebastian Dreyer. „Unser Ziel ist es, Kinder frühzeitig zu erreichen und Familien zu unterstützen, um vorbeugend zu wirken und Schulen in ihrer wichtigen Arbeit bestmöglich zu stärken.“
Im nächsten Schritt wird die Verwaltung ein weiteres Themendossier zu den weiterführenden Schulen und Förderschulen erarbeiten.
Das aktuelle Themendossier zu den Grundschulen gibt es online auf der Internetseite der Stadt:
https://www.moenchengladbach.de/fileadmin/user_upload/FB40/Bildungsmanagement/Bericht_Schulabsentismus/FB40_A4_Schulabsentismus_Themendossier_WEB.pdf
Kontaktdaten:
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