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07.09.2026 - Stadt Dortmund


„let’s talk“: Das Museum Ostwall lädt zum Gespräch über Kunst und Gesellschaft 

Wie reden wir miteinander, wenn die Fronten verhärtet sind? Die neue Sammlungspräsentation „let’s talk. sprechen über kUNSt“ im Museum Ostwall im Dortmunder U macht Kunst zum Ausgangspunkt für Begegnung, Perspektivwechsel und Austausch.


Direkt am Eingang auf Ebene 5 schauen Menschen von der Wand: Schwarz-Weiß-Porträts aus Jochen Gerz’ Projekt „Das Geschenk“. Mehr als 5.500 Menschen aus dem Ruhrgebiet ließen sich im Jahr 2000 bei der Ausstellung „Vision Ruhr“ fotografieren. Im Gegenzug erhielten sie nicht ihr eigenes, sondern das Porträt einer fremden Person. Für Dr. Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung und Kuratorin der Präsentation, steckt darin eine besondere Einladung: „Gemeinsam mit Jochen Gerz möchten wir als MO dazu anregen, die Gegenwart anderer als Geschenk zu betrachten – auch wenn wir ihn oder sie nicht kennen, auch wenn wir uns das Zusammensein nicht ausgesucht haben.“

Neue Perspektiven, aktuelle Themen

Seit 2017 zeigt das Museum Ostwall seine Sammlung regelmäßig aus neuen Perspektiven. Nach „Fast wie im echten Leben“ (2017), „Body & Soul. Denken, Fühlen, Zähneputzen“ (2020) und „Kunst, Leben, Kunst“ (2023) geht es nun um das Miteinander.

Wolfgang Tillmans zeigt Menschen in der U-Bahn, Ina Weber eine „Raucherecke“. Andere Werke führen auf den Markt, in eine Bar oder ins Dortmunder U. Paula Modersohn-Becker, Christian Rohlfs und Karl Hofer erzählen von Beziehungen, während Andreas Langfeld, Lisa Kreimeyer und Ketty La Rocca Konflikte sichtbar machen.

Auch Missverständnisse gehören dazu. Timm Ulrichs’ „Wolf im Schafspelz, Schaf im Wolfspelz“ spielt mit Misstrauen und der Frage, was hinter einer Fassade steckt. Unter dem Titel „Verstehst du mich?“ zeigen Werke von Wolf Vostell und Joseph Beuys, wie leicht Kommunikation scheitern kann. Wo Worte nicht weiterhelfen, setzt die Ausstellung auf gemeinsames Tun: Arbeiten von Winter/Hörbelt, Takako Saito und Nevin Aladag laden zum Spielen und Musizieren ein. Besucher*innen können etwa den „Quintenzirkel“ oder das vom Museum in Anlehnung an Takako Saitos „Soundchess“ entwickelte „Klangschach“ ausprobieren.

Gesellschaftliche Fragen im Boxring

Auf Ebene 4 wird es politischer: Geschlechterrollen, Krieg, deutsche Geschichte, Migration, Identität und Ängste gehören zu den Themen. Die Ausstellung lädt dazu ein, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten und miteinander zu diskutieren. In einem Raum steht ein Boxring. An drei Wochenenden wird er zur Bühne für caner tekers Performance „Kirkpinar“, eine queere Bearbeitung des türkischen Ölwrestlings. Dabei geht es nicht darum, den anderen zu besiegen. Kraft kann auch bedeuten, jemanden zu halten, zu tragen und zu stützen. Die erste Performance ist am 7. November zu sehen.

Die Sammlung neu entdecken

„let’s talk“ wirft zugleich einen neuen Blick auf die eigene Sammlung. Lange nicht gezeigte Werke kehren zurück, bislang wenig sichtbare Künstler*innen erhalten mehr Raum. „Wir haben uns viel damit beschäftigt, welche Künstler*innengruppen in unserer Sammlung unterrepräsentiert sind“, sagt Grothe. Zu den Neuzugängen gehören unter anderem ein vierteiliges Selbstportrait der malawisch-südafrikanischen Künstlerin Billie Zangewa und Gabriele Münters „Abend vom Fenster“. Beide Werke wurden mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft beziehungsweise der Freunde des Museum Ostwall e.V. erworben. Auch Werke, die der MO_Beirat, ein unabhängiger und divers zusammengesetzter Bürger*innenbeirat, ausgewählt hat, sind zu sehen.

MOKI, Flux Inn und viele Möglichkeiten zum Austausch

Die Ausstellung bietet verschiedene Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. MOKI, die eigens entwickelte KI zur Kunstvermittlung des Museum Ostwall, macht den Besuchenden Gesprächsangebote und beantwortet Fragen zu Werken von K. O. Götz und August Macke. Im Flux Inn können Besucher*innen Platz nehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Eine Schreibstation lädt dazu ein, Menschen eine Postkarte zu schreiben, zu denen der Kontakt abgebrochen ist. Mit „fricti:on“ bringt der MO_Beirat außerdem Künstlerinnen verschiedener Sparten mit Werken der Sammlung zusammen. Ein Aufnahmegerät sammelt Gedanken und Eindrücke der Besucher*innen. Führungen und Workshops richten sich unter anderem an Kinder, Jugendliche, Familien, Schulklassen, Kitas sowie Menschen mit Demenz und ihre Begleitungen. Es gibt sogar Führungen für „Kunst-Muffel“.

„Sprechen wir über Kunst. Sprechen wir über uns.“

„Wir sehen unsere Sammlung nicht als ein statisches Produkt, sondern als Teil eines dynamischen Prozesses, der Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen ist“, sagt Regina Selter. Seit Jahren versteht das Museum Ostwall seine Sammlung als „Kunstschatz der Dortmunder*innen“. „let’s talk“ verbindet diesen Schatz mit Fragen, die viele Menschen im Alltag beschäftigen. „Kunst öffnet einen Raum, in dem unterschiedliche Sichtweisen gelten können“, sagt Nicole Grothe. Ihr Appell zum Abschluss: „Versuchen wir es. Sprechen wir über Kunst. Sprechen wir über uns.“

Kurzinfos

„let’s talk. sprechen über kUNSt“

Werke aus der Sammlung des Museum Ostwall

Laufzeit: 5. September 2026 bis Frühjahr 2029

Ort: Museum Ostwall im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, Ebenen 4 und 5

Eintritt: frei

dortmunder-u.de/museum-ostwall




Kontaktdaten:

Stadt Dortmund
Fachbereich Marketing + Kommunikation
Silke Hempel - Pressestelle

Betenstraße 19 - 44137 Dortmund
Tel.: 0231 50-19244
Fax: 0231 50-10018
E-Mail: shempel@stadtdo.de
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Timm Ulrichs’ „Wolf im Schafspelz, Schaf im Wolfspelz“ spielt mit Misstrauen und der Frage, was hinter einer Fassade steckt.
© Stadt Dortmund / Roland Baege - Timm Ulrichs’ „Wolf im Schafspelz, Schaf im Wolfspelz“ spielt mit Misstrauen und der Frage, was hinter einer Fassade steckt. © Stadt Dortmund / Roland Baege

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Zu sehen ist wieder die historische Rauminstallation „T.E.K.“ (Thermo-Elektronischer Kaugummi) aus dem Jahr 1970 von dem bedeutenden Fluxus-Künstler Wolf Vostell.
© Stadt Dortmund / Roland Baege - Zu sehen ist wieder die  historische Rauminstallation „T.E.K.“ (Thermo-Elektronischer Kaugummi) aus dem Jahr 1970 von dem bedeutenden Fluxus-Künstler Wolf Vostell. © Stadt Dortmund / Roland Baege

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Im Flux Inn können Besucher*innen Platz nehmen und miteinander ins Gespräch kommen.
© Stadt Dortmund / Roland Baege - Im Flux Inn können Besucher*innen Platz nehmen und miteinander ins Gespräch kommen. © Stadt Dortmund / Roland Baege

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