Die Stadt Osnabrück verleiht die Bürgermedaille an den Verein Osnabrücker Tafel, vertreten durch Hemann Große-Marke, und an den Musiker und Festivalmacher Michael Dreyer. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter überreicht die Auszeichnungen am Freitag, 2. Oktober, im Friedenssaal des historischen Rathauses.
„Sowohl die Osnabrücker Tafel als auch Michael Dreyer versorgen uns mit Lebensmitteln – die einen mit Brot, Obst und Gemüse und Michael Dreyer mit Musik“, sagte Pötter. „Ich finde, das ist auch ein Lebensmittel. Ohne Musik wäre das Leben öde und grau.“
Die Osnabrücker Tafel
Die Osnabrücker Tafel wird für ihr langjähriges Engagement für bedürftige Menschen ausgezeichnet. Zahlreiche Ehrenamtliche sammeln Lebensmittelüberschüsse, organisieren deren Verteilung und kümmern sich um die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.
„Die Idee der Tafel ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Lebensmittelüberschüsse werden gesammelt und an Bedürftige verteilt“, sagte Pötter. „Aber einfach ist hier gar nichts.“ Hinter der Arbeit steckten eine aufwendige Logistik, zahlreiche Absprachen mit Supermärkten, Bäckereien und weiteren Partnern sowie viele ehrenamtliche Stunden.
Dabei gehe es um mehr als die Ausgabe von Lebensmitteln: „Die Tafel ist nicht nur eine Lebensmittel-Ausgabe, sondern ein Ort der Begegnung, ein Ort der Solidarität und ein Ort, an dem Menschen ein Stück Würde zurückgegeben wird“, so Pötter. „Ihr Engagement zeigt, dass die Stärke einer Gemeinschaft daran zu messen ist, wie sie mit ihren schwächeren Mitgliedern umgeht.“
Die Bürgermedaille nimmt der Vorsitzende Hermann Große-Marke stellvertretend für die zahlreichen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen entgegen. In seiner Dankesrede betonte Hermann Große-Marke: „Eine Person allein kann wenig ausrichten, man braucht immer ein starkes Team an seiner Seite. Und deshalb gehört die Bürgermedaille dem ganzen Team der Osnabrücker Tafel“.
Michael Dreyer und das Morgenland Festival
Michael Dreyer erhält die Bürgermedaille für seine Verdienste um das Morgenland Festival Osnabrück. Seit mehr als 20 Jahren bringt das Festival Musik aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten nach Osnabrück und hat die Stadt international bekannt gemacht.
Ausgangspunkt war 2005 Dreyers Interesse an der Musik jener Regionen, die damals vor allem durch Nachrichten über politische Konflikte und Krisen präsent waren. Er reiste mehr als 40 Mal in verschiedene Länder und brachte Künstlerinnen und Künstler mit Musik aus Kurdistan, Teheran, Peking und anderen Regionen nach Osnabrück.
„Sie haben uns Klänge nahegebracht, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass wir sie brauchen“, sagte Pötter. Musik habe beim Morgenland Festival immer im Mittelpunkt gestanden: „zum Vereinen, nicht zum Trennen.“
Internationale Künstler wie Yo-Yo Ma und Kayhan Kalhor sowie das NDR Elbphilharmonie-Orchester gastierten in Osnabrück. Das Festival war zudem unter anderem im Iran, Irak, in Syrien, Jordanien und der Türkei zu Gast.
„Sie haben nicht nur in Osnabrück Räume geöffnet“, sagte Pötter. Besonders angesichts der aktuellen Konflikte im Nahen Osten sei es ein Zeichen der Hoffnung, dass beim Morgenland Festival Musikerinnen und Musiker aus Israel, Palästina, dem Libanon, Iran und Syrien gemeinsam auf der Bühne stünden.
Das Festival sei damit „zu einem echten Aushängeschild geworden – für unsere Friedensstadt Osnabrück, für Niedersachsen und weit darüber hinaus“.
„Michael Dreyer, Sie haben die kulturelle Entwicklung unserer Stadt in herausragendem Maße geprägt und den interkulturellen Dialog nachhaltig gestärkt“, sagte Pötter. „Sie haben uns Töne geschenkt, die verbinden.“
Die Bürgermedaille sei deshalb eine Auszeichnung für zwei sehr unterschiedliche Formen des Engagements: „Das trifft auf beide zu“, sagte Pötter. „Daher hat der Rat der Stadt richtig und gut entschieden, die Osnabrücker Tafel und Michael Dreyer auszuzeichnen.“
„In diesem Raum, dem Friedenssaal, eine Würdigung zu erhalten für ein Festival, das mit Völkerverständigung zu tun hat, ist für mich sehr bewegend - mehr als 350 Jahre nachdem Menschen hier jahrelang um den Frieden gerungen haben, um an Ende einen der ersten Friedensverträge der Menschheit ausgehandelt zu haben“, bedankte sich Michael Dreyer.
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