Meldungsdatum: 14.12.2021

Stadt Kassel präsentiert Ankauf der „Denk-Stein-Sammlung“ von Horst Hoheisel im Kasseler Kulturbahnhof

Im Jahr 2019 hat die Stadt Kassel das Werk „Denk-Stein-Sammlung“ des Künstlers Dr. Horst Hoheisel erworben, um es durch notwendige Schutzmaßnahmen als wichtiges Beispiel zeitgenössischer Erinnerungskultur zu erhalten. Parallel dazu wurde mit der Deutschen Bahn ein Gestattungsvertrag über den Verbleib der „Denk-Stein-Sammlung“ geschlossen, wodurch der prominente Standort in der Besucherhalle des Kulturbahnhofs langfristig durch die Stadt gesichert werden konnte.

Am 14. Dezember 2021 informierte Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker gemeinsam mit dem Künstler Dr. Horst Hoheisel sowie der Leiterin des Kasseler Hauptbahnhofs, Frau Michaela Andresens, über das Kunstwerk, seinen Ankauf durch die Stadt Kassel und die damit verbundenen Ziele.

 

Die „Denk-Stein-Sammlung“ ist ein Mahnmal, das in einem mehrere Jahre dauernden Prozess in Kassel gestaltet wurde. Zusammen mit Kasseler Schülerinnen und Schülern sowie mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Kassel hat Horst Hoheisel dafür über 1000 Steine zusammengetragen - für jeden der vielen, unter dem NS-Regime ermordeten Männer, Frauen und Kinder wurde jeweils ein Stein gestiftet. Diese wurden anschließend mit einem Stück Papier umhüllt, auf dem der Name, die Adresse, das Geburts- und Deportationsdatum standen und teilweise noch weitere Daten aus dem Gedenkbuch »Namen und Schicksal der Juden Kassels 1933 – 1945« vermerkt wurden. Das Kunstwerk hält dazu an, den von Nationalsozialisten ermordeten Menschen zu gedenken, die vielleicht in die gleiche Schule gegangen sind, in der gleichen Straße gewohnt haben, oder genauso alt waren wie die heutigen Besucherinnen und Besucher der Arbeit.

 

Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker machte in diesem Zusammenhang deutlich: „Zeitgenössische Erinnerungskultur ist für unser Zusammenleben in einer Demokratie unverzichtbar, denn sie erlaubt die kritische und reflektierende Auseinandersetzung mit unserer Geschichte. Die Sammlung von Horst Hoheisel ist ein herausragendes Beispiel, das wir durch den Ankauf und die Sicherung hier im Kulturbahnhof für die Zukunft erhalten. Die Arbeit ist zudem ein sehr intimes Mahnmal, denn oft stehen auf den um die Steine gewickelten Zetteln ganz persönliche Worte derer, die an dem Werk mitgearbeitet haben. Herzlicher Dank gilt deshalb dem Künstler wie auch der Deutschen Bahn für ihre Bereitschaft, dem Werk an so prominenter Stelle dauerhaft Raum zu geben.“

 

Der Standort des Kunstwerks befindet sich in der Haupthalle des Kulturbahnhofs, am Übergang zu den Gleisen, von denen aus ab 1941 Kasseler Bewohnerinnen und Bewohner jüdischen Glaubens zu tausenden in das Ghetto von Riga deportiert wurden. Durch seinen direkten inhaltlichen Bezug zu diesem historischen Ort entfaltet die „Denk-Stein-Sammlung“ hier eine besonders eindrückliche Wirkung.

 

Dr. Horst Hoheisel erklärte zu seiner Arbeit: „Üblicherweise schafft ein Künstler ein Denkmal als Auftragsarbeit allein. Die Denk-Stein-Sammlung wurde von über tausend meist jungen Menschen aus Kassel zusammengetragen. Als Künstler war ich nur der Katalysator, der diesen Erinnerungsprozess angestoßen und begleitet hat.  Jeder der über tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat mit der Stiftung seines/ihres Denk-Steins eine jeweils eigene kleine Erinnerungsgeschichte erlebt. Die auf dem alten Gepäckwagen zusammengetragenen einzelnen Steine mit ihren individuellen Erinnerungsgeschichten fügen sich zu einem kollektiven Erinnerungszeichen zusammen. Die kommende documenta 15 legt auf solch kollektive Prozesse ihren Schwerpunkt.  Schon 1988 habe ich dieses kollektiv zusammengetragene Denkmal in Kassel angestoßen und 1994 wurde die nun von der Stadt zusammen mit der Denk-Sten-Sammlung erworbene große Fotoarbeit und eine der Lagerkisten mit Denk-Steinen aus Kassel im Jüdischen Museum New York in der von James E. Young kuratierten Ausstellung: "Holocaust Memorials in History" gezeigt.“

 

Die „Denk-Stein-Sammlung“ wurde 2019 auf Initiative von Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker von der Stadt Kassel zusammen mit einer vom Künstler geschaffenen großformatigen und nachbearbeiteten Fotografie erworben. Dafür konnten auf Beschluss der Ankaufskommission Mittel aus der städtischen Kunstsammlung verwendet werden. Um das Mahnmal zu erhalten und in seiner Wirkung für die Zukunft zu sichern, hat der Künstler eine Plexiglasverkleidung als dauerhaften Schutz für das Kunstwerk hergestellt. Die regelmäßige Reinigung der „Denk-Stein-Sammlung“ wird durch die Stadt Kassel veranlasst.

 

Michaela Andresens von der Deutschen Bahn erklärte: „Der weltweite Anstieg von Antisemitismus und Rassismus ist eine gefährliche Entwicklung, die uns sehr besorgt. Deshalb, und weil wir um unsere historische Verantwortung wissen, unterstützen wir, die Deutsche Bahn AG, diese bewegende Ausstellung. Wir wollen damit ein eindrückliches Zeichen für eine friedliche und tolerante Gesellschaft ohne Hass und Ausgrenzung setzten. Bahnhöfe sind Orte der Begegnung. Hier treffen sich viele Menschen aus allen Nationen, Religionen und Kulturen. Hier können wir uns gemeinsam an die Schicksale erinnern und mahnen, dass sich die Verbrechen niemals wiederholen dürfen.“

Pressekontakt: Michael Schwab


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Stadt Kassel präsentiert Ankauf der „Denk-Stein-Sammlung“ von Horst Hoheisel im Kasseler Kulturbahnhof

©  Andreas Fischer/Stadt Kassel
Stadt Kassel präsentiert Ankauf der „Denk-Stein-Sammlung“ von Horst Hoheisel im Kasseler Kulturbahnhof

Gemeinsam aktiv, um ein wichtiges Beispiel zeitgenössischer Erinnerungskultur zu erhalten (v.l.): Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker, der Künstler Dr. Horst Hoheisel und Michaela Andresens, Leiterin des Kasseler Hauptbahnhofs. Die Stadt hat das Kunstwerk „Denk-Stein-Sammlung“ zum Gedenken an die von den Nazis deportierten und ermordeten Menschen erworben, notwendige Schutzmaßnahmen ergriffen und mit der Deutschen Bahn einen Gestattungsvertrag geschlossen, damit der prominente Standort in der Besucherhalle des Kulturbahnhofs langfristig gesichert werden kann.