Meldungsdatum: 22.05.2025

„Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren“ – Neue Ausstellung von Sandra del Pilar in Soest

Ausstellung von Sandra del Pilar im Museum Wilhelm Morgner, Soest Eröffnung: 25. Mai 2025, 11 Uhr Laufzeit: 25. Mai – 24. August 2025 Ort: Museum Wilhelm Morgner & Haus zum Spiegel, Soest

Mit dem eindringlichen Satz „Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren“ aus Bertolt Brechts Gedicht An die Nachgeborenen (1934-38) eröffnet die deutsch-mexikanische Künstlerin Sandra del Pilar ihre neue Ausstellung im Museum Wilhelm Morgner in Soest. Die Präsentation knüpft konzeptionell und thematisch an ihre Retrospektive Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten an, die 2024 im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zu sehen war. Beide Ausstellungen – in enger Zusammenarbeit mit Dr. Annette Werntze, der Leiterin des Soester Museums und Thomas Bauer-Friedrich, dem Direktor des Museums in Halle konzipiert – greifen zentrale gesellschaftspolitische Fragen auf und verhandeln diese mit den Mitteln der Malerei, Erinnerungskultur und künstlerischen Reflexion. Die Soester Ausstellung erweitert diesen Diskurs um aktuelle Werkkomplexe, die insbesondere auf jüngste Entwicklungen in den USA reagieren und globale Zusammenhänge sichtbar machen.

Brisante Themen von globaler Relevanz

Der Ausstellungstitel trägt eine besondere Aktualität in sich. Brechts Gedicht thematisiert eine Welt im Umbruch, eine Zeit, in der Demokratie und Freiheit zunehmend auf dem Prüfstand stehen. Sandra del Pilar nähert sich dieser Fragilität aus persönlicher Perspektive und führt den Gedanken weiter, indem sie sich mit der aggressiven Rhetorik Donald Trumps auseinandersetzt, etwa wenn er den Golf von Mexiko in den „Golf von Amerika“ umbenennt, Mexikaner als Verbrecher diffamiert oder an eine fast vergessene Geschichte erinnert: die gewaltsame Aneignung weiter Teile Mexikos durch die USA im 19. Jahrhundert. Diese Auseinandersetzung bleibt jedoch nicht auf die USA beschränkt. Vielmehr spürt die Künstlerin transhistorischen und transnationalen Verbindungen nach, die unsere Gegenwart mit kolonialen und postkolonialen Machtverhältnissen durchziehen.

Neue Werkserien

Neben zentralen Arbeiten der Hallenser Retrospektive werden in Soest zwei neue Werkserien gezeigt, die erstmals (in Deutschland) präsentiert werden:

Auch die Werkgruppe „Soldados“ greift diese Themen auf: Mexikanische und US-amerikanische Soldaten aus dem Krieg um Texas (1846–1848) begegnen sich hier nicht als Feinde, sondern als verletzliche junge Männer – vereint durch ihre verwundbare Körperlichkeit. Andere Werke wie „Das Ungewollte“ bestechen durch eine sanfte, beinahe widersprüchliche Schönheit, die selbst schwere Themen mit Leichtigkeit durchdringt und Hoffnung evoziert – auf eine Welt, die sich ihrer Brüche bewusst bleibt und dennoch nach neuer Ordnung sucht.

Postkonzeptuelle Malerei mit sinnlicher Tiefe

Sandra del Pilars Malerei ist tief verwurzelt im politischen Denken und der Auseinandersetzung mit kollektiver wie individueller Erinnerung. Ihre Werke verbinden figurative Malerei mit installativen Elementen, dokumentarischen Bezügen und kunsthistorischen Referenzen. Sie arbeitet mit transparenten synthetischen Fasern, durch die sich mehrschichtige Bildräume ergeben. Je nach Standpunkt verändern sich die Motive – Sehen wird zum körperlich erfahrbaren Prozess. Damit widersetzt sich del Pilar bewusst der digitalen Reproduzierbarkeit und setzt dem virtuellen Raum das sinnlich Unmittelbare entgegen.

Offenes Atelier im Haus zum Spiegel

Ein besonderes Element der Ausstellung ist die Möglichkeit eines Atelierbesuchs im nahe gelegenen Haus zum Spiegel – einem der wenigen erhaltenen barocken Steinbauten in Soest, das nach mehrjähriger Restaurierung erstmals künstlerisch genutzt wird. Hier hat Sandra del Pilar ihr neues Atelier bezogen. Während der Ausstellungszeit öffnet sie jeden Donnerstagnachmittag von 17:00 – 19:00h ihre Türen für das Publikum. Besucherinnen und Besucher erhalten dabei nicht nur Einblick in zusätzliche Werke, sondern auch in den Entstehungsprozess selbst – mit Skizzen, Werkmaterialien und Archivstücken. Es ist ein seltener Einblick in den sonst verborgenen Raum künstlerischen Arbeitens. Der Besuch im Haus zum Spiegel ist im Museumseintritt enthalten.

Kuratorische Leitung

Die Ausstellung wird von Dr. Manja Wilkens kuratiert, deren konzeptueller Ansatz die Verknüpfung von Kunst, Geschichte und politischer Reflexion betont. Sie war auch Kuratorin der Retrospektive von Sandra del Pilar in Halle und verantwortet die inhaltliche und organisatorische Verbindung beider Ausstellungen.

 

Begleitprogramm

donnerstags, 16 –19 Uhr
Offenes Atelier von Sandra del Pilar im Haus zum Spiegel, Jakobistraße 13

01. Juni 2025, 12 Uhr
Öffentliche Dialog-Führung mit Drs. Sandra del Pilar, Manja Wilkens & Annette Werntze

04. Juni 2025, 18 Uhr
Öffentliche Führung für Jugendliche mit Drs. Sandra del Pilar, Manja Wilkens & Annette Werntze

05.Juni 2025, 17:30 Uhr
Öffentliche Dialog-Führung durch die Ausstellungen „Westfarbe VI“ & „Sandra del Pilar“ mit Juliane Rogge (SKK) & Dr. Annette Werntze (MWM)

11. Juni 2025, 19 Uhr
Vortrag „Bilderkrieg und Krieg der Bilder“ – Michael Ebert, Fotograf, Hochschuldozent, Kurator, Autor

14. Juni 2025, 15 Uhr
Öffentliche Dialog-Führung mit Drs. Sandra del Pilar & Manja Wilkens

03. Juli 2025, 19 Uhr
Vortrag „Von der Heldin zur Hure und zurück. Malinche in Mexiko“ – Dr. Sandra del Pilar

Während der Öffnungszeiten
Museumsrallye für Jugendliche, entwickelt vom Jugendbüro Soest. Ein Projekt von Jugendlichen für Jugendliche

 

Über die Künstlerin

Sandra del Pilar (1973 in Mexiko-Stadt) ist eine deutsch-mexikanische Malerin und Postkonzeptkünstlerin. Ihre Werke verbinden persönliche Erfahrung mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen und bewegen sich an der Schnittstelle von Malerei, politischer Reflexion und erinnerungskultureller Recherche. Sie lebt und arbeitet in Soest und Cuernavaca (Mexiko). Sie nahm an mehreren Biennalen teil, darunter SIART La Paz sowie die Malereibiennalen Rufino Tamayo, Pedro Coronel und Alfredo Zalce. Sandra del Pilar wird international von der Galerie Zilberman Istanbul/Berlin/Miami vertreten.

Sandra del Pilar studierte Malerei (MFA) an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM), Mexiko-Stadt, sowie Kunstgeschichte (MA) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Anschließend promovierte sie in Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und absolvierte zusätzlich eine künstlerisch-praktische Promotion (PhD in Fine Arts) an der Fakultät für Kunst und Design der UNAM.

Ihre Werke wurden international ausgestellt, insbesondere in Mexiko und Deutschland. Jüngst widmete ihr das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) eine Einzelausstellung und Retrospektive unter dem Titel Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten. Weitere Stationen waren u. a. das Museo Rufino Tamayo (Bienal Tamayo), das Museo Morelense de Arte Contemporáneo Juan Soriano in Cuernavaca, das Museo de Arte Contemporáneo Oaxaca, das Museo de la Historia Mexicana in Monterrey, das Museo Universitario del Chopo und das Museo Nacional de la Revolución (alle Mexiko-Stadt), sowie das Museo Pedro Coronel in Zacatecas, das Museo de Arte in Querétaro und das Casa Redonda Museo in Chihuahua. International war sie u. a. bei der VII Internationalen Kunstbiennale SIART in La Paz (Bolivien) vertreten. In Deutschland stellte sie im Gustav-Lübcke-Museum Hamm, im Museum Wilhelm Morgner Soest, im Stadtmuseum Siegburg und im Kunstmuseum Ahlen aus. Sandra del Pilar wird von der Galerie Zilberman (Istanbul/Berlin/Miami) vertreten und zeigte ihre Arbeiten an allen drei Standorten.

Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit einer lobenden Erwähnung beim Premio Nacional de Pintura Ángel Zárraga in Durango (2022), dem Kunstpreis der Stadt Hamm (2018), dem Ersten Preis der Biennale Pedro Coronel (2012) sowie dem Ersten Preis beim José-María-Covarrubias-Wettbewerb am Museo Universitario del Chopo (2011). Zuletzt erhielt sie ein Stipendium des Sistema Nacional de Creadores de Arte im Rahmen des staatlichen mexikanischen Förderprogramms FONCA.Ein Dokumentarfilm von Sergio Sanjinés über ihr künstlerisches Schaffen feierte Premiere in der Cineteca Nacional in Mexiko-Stadt. Sandra del Pilar lebt und arbeitet in Deutschland und Mexiko.

 

Katalog zur Ausstellung:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten (E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2024), hg. von Christian Philipsen, Thomas Bauer-Friedrich und  Manja Wilkens. Mit Beiträgen von Wolfgang Ullrich, Rainer Metzger, Ursula Ströbele, Marta Smolinska, Thomas Kuhn, Hans Körner, Manja Wilkens, Annette Werntze u. a., 192 Seiten, 30 x 24 cm.

Weitere Informationen: www.sandra-del-pilar.org

 

Kontakt für Presse & Interviewanfragen

Dr. Annette Werntze
Leiterin des Museum Wilhelm Morgner
Museum Wilhelm Morgner mit RAUM SCHROTH
Thomästraße 1, 59494 Soest
T +49 2921 1031131
E-Mail: a.werntze@soest.de
www.museum-wilhelm-morgner.de


Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:

2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar das Ungewollte

©  
2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar das Ungewollte

Das Ungewollte“, 2024, Polyptychon, je 95 x 75 cm. Gesamt: 200 x 400 cm.


2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar Codex Malintzin

©  
2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar Codex Malintzin

Codex Malintzin“, Tinte auf Amate-Papier, 2022.


2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar Soldados I und II 2023

©  
2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar Soldados I und II 2023

2. „Soldados I“ (2022) und „Soldados II“ (2023), Öl, Acryl und farbige Tuschen auf Leinwand und transparenten Synthetikfasern, je 200 x 180 cm. © Thomas Oyen.


2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar Ayotzinapa

©  
2025 05 22 Ausstellung von Sandra del Pilar Ayotzinapa

„Ayotzinapa“, 2014, 43-teilig, je 40 x 30 cm, Öl, Watte, Zeitungsausschnitte. © Manja Wilkens.