Meldungsdatum: 04.09.2025
Die Stadtarchäologie füllt einen bislang weißen Fleck im mittelalterlichen Stadtplan: Auf dem 904 Quadratmeter großen Grundstück an der Pollhofstraße, mitten in der Altstadt, haben Archäologen ein außergewöhnlich gut erhaltenes „Zeitfenster“ freigelegt. Über rund 200 Jahre blieb der Boden ungestört – ein seltener Glücksfall, der nun direkte Einblicke in das Alltagsleben des Mittelalters ermöglicht.
„So etwas erleben wir hier im dichten Siedlungsgebiet der Altstadt wirklich selten“, betont Stadtarchäologin Julia Ricken.
Zum Vorschein kamen zahlreiche Strukturen: Pflasterungen aus hochkant gesetzten Steinen, Mauerreste, Gruben mit Keramikscherben und Tierknochen sowie Spuren möglicher Grubenhäuser. Besonders auffällig ist das Skelett eines Pferdes, das im Boden erhalten geblieben ist. Die Funde lassen eine Nutzung des Areals im 13. und 14. Jahrhundert erkennen. Hinweise deuten darauf hin, dass das Grundstück einst zu einem Adelssitz gehörte oder als Nutzgarten diente. Die Grabungen sollen bis Ende der Woche abgeschlossen sein. Dass dies in so kurzer Zeit gelingt, ist auch dem Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer zu verdanken, die die Archäologen tatkräftig unterstützt haben.
Auf dem Grundstück entsteht ein Einfamilienhaus mit zwei Vollgeschossen, das bereits im Gestaltungsausschuss vorgestellt wurde und sich in die historischen Strukturen der Altstadt einfügen soll. Das Bauprojekt wird von der Stadtentwicklung und Bauplanung positiv bewertet. Auch seitens der Bauherren wird die enge und reibungslose Zusammenarbeit mit Denkmalpflege und Archäologie hervorgehoben.
Das Projekt verdeutlicht die enge Verzahnung von moderner Stadtentwicklung und Geschichtsforschung in Soest: Während neue Wohnprojekte entstehen, wird zugleich wertvolles Wissen über die Vergangenheit gesichert und dokumentiert.
Julia Ricken (Stadtarchäologin), Olaf Steinbicker (Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Bauordnung), Anna Hellmich (Architektin), Annika Manz, Tristan Altenhoff (Grabungsleiter)
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