Meldungsdatum: 17.10.2025

Mülltrennung mit Gefühl

Soester Kommunalbetrieb rüstet Abfalltonnen mit tastbaren Stickern für Sehbehinderte und Blinde aus

Der Kommunalbetrieb Soest bietet blinden und sehbehinderten Bürgerinnen und Bürgern ab sofort an, die Mülltonnen mit tastbaren Stickern auszustatten, damit die verschiedenen Abfalltonnen schnell und einfach zu unterscheiden sind. Damit reagiert der Kommunalbetrieb auf eine Bürgeranregung und Soest greift als eine der ersten Kommunen auf ein System zurück, das erst in diesem Sommer in Bayern entwickelt wurde.

Die tastbaren Sticker kommen aus dem 3D-Drucker. Es sind kleine rechteckige Kunststoffplättchen mit geometrischen Symbolen - das Dreieck für Biomüll, das Quadrat für Papier und Pappe sowie das Kreuz für Restmüll. Sie werden auf den Mülltonnendeckel geklebt und sind bei Wind und Wetter gut fühlbar. Damit können blinde und sehbehinderte Menschen zweifelsfrei aus mehreren Tonnen die jeweils richtige erkennen - wenn sie den Müll rausbringen oder für die Müllabfuhr die richtige Tonne an die Straße bringen. Insbesondere, wenn vor der Haustür mehrere gleich große Tonnen für die unterschiedlichen Müllsorten stehen, wie es beispielsweise bei Mehrfamilienhäusern der Fall ist. 

Dass sehbehinderte Menschen solche Alltagsprobleme haben, wird nicht eingeschränkten Menschen oft erst klar, wenn Hinweise von Betroffenen kommen. Für Florian Brinkmann von der Abfallwirtschaft des Kommunalbetriebs war das nicht anders. Mitte September bekam er einen Anruf von Edip Kartal. Der sehbehinderte Soester schilderte ihm sein Problem, hatte allerdings auch gleich einen Lösungsvorschlag parat: In Bayern, so sein Hinweis, habe eine Firma tastbare Sticker entwickelt, mit denen die unterschiedlichen Abfalltonnen entsprechend der Müllsorte markiert werden könnten.

Florian Brinkmann ging dem Hinweis nach. Er erfuhr, dass die Sticker in Unterfranken gemeinsam mit dem örtlichen Blinden- und Sehbehindertenbund entwickelt und im August vorgestellt worden waren. Das Beste daran: "Die verantwortliche Firma stellt die Daten der Kunststoffsticker kostenfrei zur Verfügung, so dass sie relativ simpel mit einem 3D-Drucker selbst zu produzieren sind", sagt er.

Gesagt, getan. Der Kommunalbetrieb schaffte einen 3D-Drucker an und das Mehrfamilienhaus, in dem Edip Kartal wohnt, hat nun als erstes in Soest Biomüll-, Papier- und Restmülltonnen, die damit ausgestattet sind. 

Bei Edip Kartal ist die Freude groß. "Ich bin jetzt in einem Alltagsbereich selbstständiger als vorher und muss andere nicht mehr um Hilfe bitten, um die richtige Mülltonne zu finden. Das macht mich glücklich", sagt er. Auch die schnelle und unbürokratische Umsetzung der Anregung durch den Kommunalbetrieb findet er klasse. Filomena Muraca-Schwarzer, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins im Kreis Soest, pflichtet ihm bei: "Wir begrüßen diese Lösung sehr. Wir freuen uns, dass die Stadt Soest hier Vorreiter ist." Sie hofft darauf, dass andere Kommunen diesem Vorbild folgen. 

Der Kommunalbetrieb bietet natürlich auch anderen sehbehinderten oder blinden Soesterinnen und Soestern an, die Mülltonnen mit den Stickern zu markieren. Interessenten können sich bei Florian Brinkmann unter 02921 / 103-4401, oder per E-Mail an f.brinkmann@soest.de melden. Auch bei Neuanmeldungen von Mülltonnen soll künftig abgefragt werden, ob die Abfallgefäße die tastbaren Symbole bekommen müssen. 


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2025 1017 Tastbare Mülltonnen-Sticker für Sehbehinderte

©  Stadt Soest
2025 1017 Tastbare Mülltonnen-Sticker für Sehbehinderte

Filomena Muraca-Schwarzer (links, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins im Kreis Soest), Florian Brinkmann vom Soester Kommunalbetrieb und Edip Kartal stellten die neuen tastbaren Mülltonnen-Sticker vor.