Meldungsdatum: 28.10.2025
„Was hier heute passiert, bedeutet mir alles. Es ist ein helles Licht voller Hoffnung in unserer Welt.“ – Mit diesen Worten beschrieb Manfred Lindenbaum, welch‘ große Bedeutung die Benennung des Vorplatzes des Bildungszentrums Am Hertinger Tor nach seiner Schwester Ruth für ihn bedeutet. Und jeder, der den 93-jährigen US-Amerikaner an diesem Vormittag erlebte, konnte spüren: Hier geschieht gerade so viel mehr als die reine Benennung eines Platzes.
Nach dem einstimmigen Beschluss des Kulturausschusses heißt der Platz vor dem neuen Bildungszentrum Am Hertinger Tor künftig nach Ruth Lindenbaum, einem jüdischen Mädchen, das 1924 in Unna geboren wurde, 1938 mit ihrer Familie nach Polen abgeschoben wurde – und den Holocaust nicht überlebt hat. „Das ist mehr als ein symbolischer Akt, das heute ist ein Ausdruck einer Haltung. Unserer Haltung, für die Werte einer offenen Gesellschaft einzustehen“, sagte Schulleiter Gabriel Rosenberg, „die Erinnerung ist niemals Stillstand, sie ist der Auftrag an uns, Zivilcourage vorzuleben.“
Wie sehr die Schülerinnen und Schüler dies schon jetzt verinnerlicht haben, zeigte sich in bewegenden Beiträgen der Viertklässler, die sich auf Spurensuche nach Ruth Lindenbaum in Unna begeben hatten und ihre Funde in kurze Gedichte zusammengefasst hatten. Bürgermeister Dirk Wigant würdigte in seiner Rede dieses Engagement der Schule: „Dass gerade die Schülerinnen und Schüler dieser Schule die Einweihungsfeier mitgestalten – mit Liedern, Gedichten und eigenen Worten – ist kein Zufall, sondern ein starkes Zeichen. Ihr, liebe Kinder, gebt diesem Namen heute Leben. Ihr singt, ihr lest, ihr erinnert – und damit wird „Ruth-Lindenbaum-Platz“ nicht nur ein Schild, sondern ein Teil eurer eigenen Geschichte. Ihr zeigt: Erinnerung gehört nicht nur in Geschichtsbücher, sie gehört mitten in unseren Alltag.“
Die Kulturausschussvorsitzende Claudia Keuchel brachte es auf den Punkt, als sie sagte: „Wir bringen ein mahnendes Erinnern direkt vor die Tür unseres neuen Bildungszentrums.“ Dort enthüllte Manfred Lindenbaum, umgeben von seinen Angehörigen – insgesamt waren 26 Familienmitglieder und Freunde aus den USA angereist – gemeinsam mit Bürgermeister Dirk Wigant das offizielle Straßenschild, das den Platz vor dem Bildungszentrum nun den Namen seiner Schwester Ruth gibt. „Meine Schwester ist immer bei mir, jeden Tag“, sagte Manfred Lindenbaum, bevor er sich mit einem Appell an die Schülerinnen und Schüler wandte: „Schaut niemals jemanden so an, als wäre er weniger wert als ihr. Wir sind alle gleich. Und ihr habt heute gezeigt, dass wir Hoffnung haben dürfen in dieser Welt.“
Manfred Lindenbaum (links, stehend) dankt den Schülerinnen und Schülern der Grundschule Am Hertinger Tor für ihre Beiträge zur Einweihungsfeier des Ruth-Lindenbaum-Platzes.
Manfred Lindenbaum (Mitte, mit seiner Frau Annabel im Arm) steht im Kreise seiner Familie in der Aula des Bildungszentrums Am Hertinger Tor. Insgesamt 26 Angehörige und Freunde haben den 93-jährigen Bruder von Ruth Lindenbaum aus den USA zu der Feier nach Unna begleitet.
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