Meldungsdatum: 05.12.2025
Wie in Soest üblich, untersucht das Team von Archäologieleiterin Julia Ricken und Grabungsleiter Tristan Altenhoff den Boden im Vorfeld eines Bauvorhabens. Ihr Ziel: Im "ungestörten" Grund, also in Bodenschichten, die noch nicht durch Eingriffe der Moderne verändert wurden, Zeugnisse des mittelalterlichen Soest zu entdecken.
Bereits in der ersten Grabungswoche stießen die Forscher auf Reste jahrhundertealter Abfallgruben, in denen sich Keramikscherben sowie Knochen eines Pferdes und eines Hausschweins befanden. Höchstwahrscheinlich stammen die ältesten Fundstücke aus dem 12. Jahrhundert, die jüngeren aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Gebäudereste sind bei der Grabung bisher aber nicht aufgetaucht. Deshalb ist davon auszugehen, dass das betreffende Areal seit dem Mittelalter eine Hof- oder Gartenfläche mit eventuell kleineren Wirtschaftsgebäuden war, die zu einem benachbarten Wohngebäude gehörte. Die Bewohner entsorgten in den Abfallgruben ihren Alltagsmüll.
Für Julia Ricken sind diese Erkenntnisse weitere Mosaiksteine, aus denen sich die Soester Stadtgeschichte zusammensetzen lässt. Die Osthofenstraße wurde wohl spätestens ab dem 12. Jahrhundert, als Soest über den ottonischen Stadtkern hinaus wuchs, besiedelt, und zwar auf ganz "klassische" Weise mit Wohngebäuden am Straßenrand und dahinterliegenden Gärten und Wirtschaftsgebäuden.
Die archäologische Grabung auf dem Grundstück wird noch rund eineinhalb Wochen dauern. Anschließend haben dort wieder die Bauunternehmen das Sagen, die ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt sieben Wohneinheiten errichten.
Das Team der Stadtarchäologie Soest freut sich über die Funde auf einem Grundstück an der Osthofenstraße (hinten von links): Stadtarchäologie-Leiterin Julia Ricken, Investorin Karin Trockels und Grabungsleiter Tristan Altenhoff.
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