Meldungsdatum: 13.05.2026
Mit Klaus Fritze konnte das Burghofmuseum Soest einen Künstler gewinnen, der Kunst und Wissenschaft auf besondere Weise miteinander verbindet. Als Burghofkünstler 2026 ist er eingeladen, über ein Jahr hinweg in das Museum, die Stadt und die Region hineinzuwirken. Seine erste Arbeit im Rahmen dieses Aufenthalts ist nun im Außenbereich des Museums zu sehen.
Direkt neben dem „Romanischen Haus“, einem der ältesten Wohnhäuser Nordrhein-Westfalens aus der Zeit um 1200, entstand eine Installation aus ausrangierten Fenstern. Die Arbeit trägt bewusst noch keinen Titel. Sie bleibt offen für Entwicklungen, Beobachtungen und Deutungen.
Die kreisförmige Konstruktion erinnert zugleich an Gewächshaus, Schutzraum, Gehege oder architektonisches Experiment. Glas spielt dabei eine zentrale Rolle. Es erscheint als Umfriedung ebenso wie im Detail: in Einmachgläsern, Pflanzkegeln und sogenannten Hermetosphären, also geschlossenen Ökosystemen in Gläsern.
Klaus Fritze versteht seine Installation als eine Art Forschungsstation. Dabei geht es ihm nicht um fertige Antworten oder eindeutige Aussagen. Vielmehr sollen Prozesse sichtbar werden. Das Jahr des Burghofkünstlers ebenso wie diese erste „Setzung“ befinden sich bewusst im Werden. Zeit, Entwicklung und Beobachtung sind zentrale Bestandteile seiner Arbeit.
Auch das Burghofmuseum verbindet mit dem neuen Jahresformat eine bewusste Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Ziel ist es, das Museum und die Stadt stärker zu beleben und Besucherinnen und Besucher immer wieder neu zum Entdecken einzuladen.
„Wir möchten, dass die Menschen regelmäßig vorbeischauen, neugierig bleiben und beobachten können, wie sich die Arbeiten verändern“, erklärt Nadya Carls von der Arbeitsgruppe Museen und Kultur der Stadt Soest. „Gleichzeitig wollen wir dem Künstler die Zeit geben, die es braucht, damit Ideen wachsen können, neue Gedanken entstehen und sich Projekte weiterentwickeln. So können wir gemeinsam Stück für Stück das Museum und auch die Stadt weiterentwickeln.“
Die Installation bewegt sich zwischen Schutz und Eingriff. Einerseits wachsen Pflanzen und organische Strukturen innerhalb der Konstruktion, andererseits entstehen gläserne Barrieren und kleine Einzäunungen. Die Einmachgläser erinnern beinahe an konservierte Naturfragmente. Schutz, Bewahrung und Abschottung werden im Kleinen sichtbar und verweisen zugleich auf größere gesellschaftliche Fragen.
Im Zentrum der Fensterarchitektur steht eine Palette mit Hermetosphären. Die aus dem Transportwesen bekannte Palette eröffnet weitere Assoziationen: Ist sie Symbol für den Warencharakter kultivierter Natur? Ein rettendes Floß? Oder verweist die gläserne Konstruktion auf das Museum selbst, das Dinge bewahrt, schützt und konserviert? Auch Museen entziehen Objekte der Vergänglichkeit und bewahren sie wie unter Glas.
Weitere Gedanken des Künstlers sowie zusätzliche Interpretationsansätze finden Besucherinnen und Besucher im Romanischen Haus. Von dort aus eröffnet sich auch ein Blick auf die Installation und die Möglichkeit, eigene Beobachtungen festzuhalten.
Klaus Fritze wurde 1959 in Marburg an der Lahn geboren. Er ist Künstler und Diplom-Biologe, lehrte an Kunsthochschulen, arbeitete in Laboren und stellte international aus, unter anderem in Emden und Dubai. Seine künstlerisch-wissenschaftliche Perspektive bringt er in Kunst-am-Bau-Projekte, Museen und öffentliche Räume ein. Fritze lebt und arbeitet in Brühl bei Köln und ist insbesondere für seine laborhaften Forschungsanordnungen bekannt, in denen Prozesse des Wachsens, Sprießens und Vergehens sichtbar werden.
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