OB Trümper schreibt an Präsidenten des Landesrechnungshofes
Magdeburg.
In einem mehrseitigen Schreiben hat Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper heute eine Reihe von Fragen an den Präsidenten des Landesrechnungshofes Ralf Seibicke gerichtet. Darin bittet das Stadtoberhaupt v.a. um Informationen zu den Hintergründen der Entstehung und Verbreitung des Prüfberichtes zum Stadionneubau in Magdeburg.
Den Brief hat OB Trümper auch den Fraktionen im Stadtrat der Landeshauptstadt zur Kenntnis gegeben.
Anlage:
Brief des OB an Präsidenten
des Landesrechnungshofes
Landesrechnungshof
Sachsen-Anhalt
Präsident Herr Seibicke
Postfach 4040
39015 Magdeburg
- vorab per Fax -
18. Juli 2005
Sehr geehrter Herr Präsident Seibicke,
nachdem Sie mir per Boten am 07. Juli 2005 den Prüfbericht "Gewährleistung der
Haushaltskonsolidierung der Stadt unter Einbeziehung der Vergabe einer Baukon-
zession für das Ernst-Grube-Stadion" übergaben, informierten Sie mich in einem
Telefonat am selben Tage, dass der Bericht auch an die zuständige Kommunal-
aufsicht (Landesverwaltungsamt), an das Innenministerium als oberste Kommunal-
aufsicht und an das Sozialministerium gegangen ist.
Inzwischen ist mir bekannt, dass auch das Wirtschaftsministerium den Bericht
bekommen hat.
Ich darf Sie bitten, mir folgende Fragen zu beantworten:
- Warum hat das Sozialministerium den Bericht erhalten?
- Warum informierten Sie mich nicht darüber, dass auch das Wirtschafts-ministerium den Bericht erhalten hat?
- Warum wurde der Bericht mir per Boten überbracht, was sonst unüblich ist?
- Wer hat den Bericht ansonsten noch erhalten?
In Ihrem Interview im "Elbe-Report" vom 17. Juli 2005 führen Sie aus, dass die
Prüfung initiiert wurde, weil sie von der Genehmigung des Landesverwaltungsamtes
"Wind bekommen" haben. Die Genehmigung wurde uns vom Landesverwal-
tungsamt am 20. 09. 2004 erteilt, nachdem kurz zuvor das Innenministerium sich
der Problematik "Wirtschaftlichkeit der Maßnahme" gewidmet hatte.
Ihre Behörde forderte dann die Genehmigung des Landesverwaltungsamtes ab und
erhielt diese mit Schreiben vom 13. 10. 2004.
Die Prüfung des Landesrechnungshofes wurde der Stadt Magdeburg mit Schreiben
vom 05. 11. 2004 angekündigt (Eingang beim Oberbürgermeister am 10. 11. 2004).
Am 18. 11. 2004 wurde dann in der Volksstimme über die angekündigte Prüfung
informiert. Dies ist in den letzten 15 Jahren ein einmaliger Vorgang, dass über
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eine Prüfung des Landesrechnungshofes vorab in der Presse berichtet wird.
Am 19. 11. 2004 wurde ihr erstes Interview zu dieser Problematik in der Volks-
stimme veröffentlicht. Hier führten Sie aus: "Wir prüfen zuallererst die Wirtschaft-
lichkeit eines Projektes auch in der Planungsphase mit dem Ziel, Hinweise für
effektiveres Handeln zu geben, wir wollen das Ganze optimieren".
In Ihrem zweiten Interview in der Volksstimme am 11. 07. 2005 sagten Sie
nunmehr: "Der Bericht hat unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt".
Außerdem sprechen Sie im gleichen Interview von einem Vertrag zwischen
Hoch-Tief und der Stadt Magdeburg.
Aus den o. g. Fakten ergeben sich weitere Fragen:
- Was meinen Sie mit Ihrer Formulierung: "Wir haben von der Genehmigung
Wind bekommen"? Gab es eine Beschwerde beim Landesrechnungshof über
die vom Landesverwaltungsamt erteilte Genehmigung und wenn ja, von wem
wurde diese eingereicht?
- Wie konnte die Information über die beabsichtigte Prüfung zu den Medien
gelangen, die ja nur Ihre Behörde betrifft?
- Wieso hatten Sie vor der Prüfung "schlimmste Befürchtungen"? Was gab
Anlass für derartige Befürchtungen?
8. Warum informieren Sie in der Volksstimme am 11. 07. 2005 die Öffentlichkeit
über einen Vertrag zwischen Hoch-Tief und der Stadt Magdeburg, den es
gar nicht gibt?
Zur Problematik der aus Ihrer Sicht notwendigen EU-Notifizierung stelle ich
zunächst fest:
Bis zum 25. Mai 2005 wurde dieses Thema mir gegenüber von keiner Prüf-
behörde problematisch dargestellt. Es gab auch vom Landesrechnungshof bis
dahin hierzu keine Nachfragen. Ich hatte Ihnen dann in Halberstadt am
30. Mai 2005 am Rande der Kreisvorstandskonferenz des SGSA mitgeteilt,
dass die Stadt Magdeburg dazu ein Gutachten hat, welches wir Ihnen
im Abschlussgespräch am 30. Juni 2005 übergeben werden.
Ihre Behörde hat daraufhin das Wirtschaftsministerium um Amtshilfe zur Bewer-
tung des Gutachtens von Herrn Prof. König im Zeitraum vom 20. 06. bis zum
06. 07. 2005 gebeten.
Hierzu habe ich weitere folgende Fragen:
- War die Amtshilfe des Wirtschaftsministeriums notwendig, weil dem Landes-
rechnungshof die notwendigen Experten fehlen?
10. Hat der Landesrechnungshof vor Beginn der Prüfung des Gutachtens durch
das Wirtschaftsministerium gewusst, dass schon im Januar 2005 das gleiche
Gutachten vom Wirtschaftsministerium gegenüber dem Landesverwaltungsamt
bewertet wurde?
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- Warum hat der Landesrechnungshof ein Gespräch mit dem Gutachter und der
Stadt Magdeburg vor dem Versenden des Endberichtes am 07. 07. 2005 abge-
lehnt?
Sehr geehrter Herr Seibicke,
zum Abschluss erlaube ich mir zwei Bemerkungen:
Zum Ersten weise ich Ihre böswillige Unterstellung in Ihrem Interview im "Elbe-Report" vom 17. 07. 2005 entschieden zurück, in der Sie behaupten, der Ober-
bürgermeister sagt: "Weiter so, koste es, was es wolle". Ich werde jedenfalls keine
Entscheidungen treffen, die Schaden für die Stadt Magdeburg erzeugen.
Was Sie mit dieser Unterstellung bezwecken, sollten Sie der Öffentlichkeit
mitteilen.
Zum Zweiten darf ich Ihnen versichern, dass nach der Beantwortung meiner
Fragen alle "Nebenkriegsschauplätze" mit dem Landesrechnungshof, wie Sie
am 13. 07. 2005 in der "Volksstimme" formulierten, abgearbeitet sind.
Ich werde mich nunmehr auf das Entkräften der inhaltlichen Vorwürfe konzen-
trieren. Dies werde ich, wie am Montag, den 11. 07. 2005 in der Stadtratssitzung angekündigt, auch der Öffentlichkeit erläutern.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Trümper
Verteiler
Fraktionen, Presse
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