
Kreis Unna. Mitte Mai begannen im Auftrag des AAV - Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (Maßnahmenträger) in Abstimmung mit dem Kreis Unna die Sanierungsarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Zeche und Kokerei Massen 3/4 in Unna.
Zunächst wurde auf dem Gelände vor einer Betriebshalle eine Baugrube von rund 1000 m² Grundfläche und bis etwa 2,5 Meter Tiefe ausgehoben. In dieser Baugrube findet der tiefe Bodenaustausch durch das sogenannte Großlochbohrverfahren statt.
Anfang Juli wurde das Großlochbohrgerät angeliefert und aufgebaut. Inzwischen haben die Bohrungen auf dem Areal begonnen. Das Gerät bohrt in der Baugrube bis in eine Tiefe von vier bis sieben Metern den kontaminierten Boden aus. Der Bohrdurchmesser beträgt zwei Meter, insgesamt werden leicht überschnitten rund 300 Bohrungen durchgeführt.
Der Boden aus diesen Bohrungen wird auf Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht und fachgerecht entsorgt. Die Bohrlöcher werden direkt nach der Ausbohrung wieder mit sauberem Boden verfüllt. Mit dem Ende der Baumaßnahme wird – sofern nichts Unvorhergesehenes passiert – im Oktober gerechnet.
Mit der Sanierung dieser Schadstoffquelle wird erreicht, dass aus diesem Bereich keine weiteren PAK-Kontaminationen mehr das Grundwasser belasten können.
Regelungen zum Arbeits- und Anliegerschutz
Während der Großlochbohrungen kann es beim Bodenaustausch zu Geruchsbelästigungen kommen. Deshalb wird die Baumaßnahme durch einen Fachgutachter ständig messtechnisch überwacht. Der ausgehobene Boden wird auf einer speziell hergestellten Fläche bis zum Abtransport und zur Entsorgung zwischengelagert. Zur Verhinderung von Staubbildung wird der Boden während der Arbeiten befeuchtet.
In einer zweiten, noch zu planenden und auszuschreibenden Phase wird der kontaminierte Boden aus dem Bereich der Betriebshalle, dem Gehweg und einem Abschnitt der Dortmunder Straße gegen sauberen Boden ausgetauscht. Das Vorgehen ist ähnlich wie in Phase I. Mit dem Start der Phase II kann
Zum Hintergrund
Bei dem Projekt handelt es sich um den Betriebsstandort der ehemaligem Zeche und Kokerei Massen 3/4, die von 1912 bis 1926 betrieben wurde. Nachdem der Betrieb eingestellt worden war, wurde die Kokerei abgerissen. Durch den langjährigen Produktionszeitraum kam es zu erheblichen Kontaminationen insbesondere des Bodens und des Grundwassers mit kokereispezifischen Schadstoffen.
Bei der Sanierungsuntersuchung auf dem Nordteil des Areals wurde ein ehemaliger Klärteich als Hauptursache für die im Abstrom des Geländes nachgewiesene Grundwasserbelastung mit PAK erkannt. Im Bereich des Klärteichs wurden Teeröle vorgefunden, die sich auch auf benachbarte Grundstücke ausgebreitet haben. Im Abstrom dieses Klärteichs wurden auch im Grundwasser kokereispezifische Schadstoffe nachgewiesen. Die Verunreinigungsfahne kann bis zum Pumpwerk an der Wasserkurler Straße weiterverfolgt werden.
AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung
Der AAV ist ein bundesweites Kompetenzzentrum für Flächenrecycling und Altlastensanierung, in dem Land, Kommunen und Wirtschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten. Durch ein Landesgesetz 1988 gegründet, beseitigt die unabhängige, selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts überall dort Altlasten in Boden und Grundwasser, wo ein Verursacher der Verunreinigungen zum Beispiel nicht haftbar gemacht werden kann. Gleichzeitig macht der AAV wertvolle, meist attraktiv gelegene und gut erschlossene Flächen neu nutzbar. Der Verband ist bei den Projekten in der Regel Maßnahmenträger und bringt neben seinem in 30 Jahren erworbenem Know-how bis zu 80 Prozent der Finanzierung auf.
Zusätzlich zu den gesetzlichen Pflichtmitgliedern – dem Land NRW und den Kommunen – haben sich dem Verband auf freiwilliger Basis Unternehmen angeschlossen. Sie unterstützen damit die gesamtgesellschaftlich wichtigen Aufgaben des AAV. Sie profitieren zugleich von den Erfahrungen und dem Sachverstand des interdisziplinären AAV-Teams, das die Unternehmen rechtlich und fachlich unterstützt.
Bildzeile 1: Ludwig Holzbeck (Fachbereichsleiter Natur und Umwelt, r.) mit Ernst-Werner Hoffmann (Technischer Leiter AAV, l.) vor der Baugrube. Foto: Max Rolke - Kreis Unna
Bildzeile 2: Der Bohrer holt Boden aus der Baugrube und lädt sie in den Bagger. Foto: Max Rolke - Kreis Unna
Bildzeile 3: Massen 3/4 aus der Luft. Foto: Mario Persch – STRABAG Umwelttechnik GmbH
Pressekontakt: Kreis Unna - Presse und Kommunikation,Constanze Rauert | Fon 02303 27-1013 | E-Mail constanze.rauert@kreis-unna.de