Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 08. August 2007

„Beginen“ im Arbeitskreis Gleichstellung

Informationen zu Wohnprojekten in Schwerte und Essen

Bocholt (pd).

Der Arbeitskreis für Fragen der Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Bocholt informierte sich in seiner letzten Sitzung am Dienstag, 7. August 2007, über die „alte“ neue Wohnform der Beginenhöfe.

Die Beginen haben in Europa eine Jahrhunderte alte Kultur. Selbst in Bocholt wurden in den 90er Jahren bei Bauarbeiten unterhalb des Kolpinghauses Reste eines Beginenhofs aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Die Beginen haben sich damals aus dem Bedürfnis nach Schutz, Gemeinschaft, Eigenständigkeit und finanzieller Unabhängigkeit zusammen gefunden. Anders als bei Ordensgemeinschaften mussten die Frauen nicht lebenslang Begine bleiben, sondern konnten jährlich neu entscheiden, ob sie in dieser Wohngemeinschaft weiter leben wollten.

900 Jahre Geschichte der Beginen in Europa haben Frauen unserer Zeit ermutigt und bestärkt, die Beginenkultur wieder aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Interessierte Frauen haben sich deshalb neu zusammen gefunden, um sich für die innovativen Arbeits-, Wohn- und Lebensformen der Beginen einzusetzen. Mit dem ersten Beginentreffen in Tännich (Thüringen) im Jahr 2002 entstand die Tradition der jährlichen Zusammenkünfte aller Beginen und Beginenprojekte zum Austausch, zur Weiterbildung und Stärkung der Gemeinschaft. Der Dachverband der Beginen e.V. wurde im März 2004 gegründet, weil bereits in 32 Städten Deutschlands heute wieder Beginen leben.

Zwei dieser Beginenhöfe wurden im Arbeitskreis von der Gleichstellungsbeauftragten Annette Hünting und der Leiterin des Fachbereichs für Stadtplanung und Bauordnung Andrea Döring vorgestellt. Sie hatten die Wohnprojekte der Beginen in Schwerte und Essen besucht. Da familiäre und nachbarschaftliche Bindungen heute nicht mehr selbstverständlich sind, fallen viele alltägliche Begegnungen und gegenseitige Hilfeleistungen weg. Deshalb finden in diesen beiden Wohnprojekten, die als Mehrgenerationenhäuser gebaut wurden, Alleinerziehende und allein lebende Frauen eine Wohnform, in der sie Selbstständigkeit, Geselligkeit und Füreinander-Sorgen verbinden können.

Besonders erwähnenswert ist der Umstand, dass diese Wohnprojekte der Beginen aus einer kleinen Gruppe von Frauen entstanden sind, die diese mit Hilfe privater Investoren realisierten. Aus der kleinen Gruppe entstand ein eigener Verein, der heute eigenständig z.B. für die Vermietung, die Pflege der Gärten aber auch ein Gemeinschaftsprogramm, sorgt.

Wichtige Voraussetzung für die Idee zur Realisierung eines Beginenhofes, so sagte eine anwesende Begine in der Arbeitskreissitzung, ist eine Gruppe, die die gleichen Interessen verfolgt und bereit ist, sich absolut dafür einzusetzen.

Die Stadt Bocholt, so die Vorsitzende des Arbeitskreises, Gudrun Koppers, steht der Idee einer Wohnform der Beginen positiv gegenüber. Andrea Döring führte dazu aus, dass z.B. beim Finden eines geeigneten Grundstücks eine entsprechende Unterstützung durch die Verwaltung erfolgen könnte.

Im Übrigen können Interessierte genauere Informationen zum Thema „Beginen heute – die Rückkehr der Beginen“ auch am Freitag, 7. September 2007, 17 Uhr, im Rathaus von Brita Lieb, Fulda, Dachverband der Beginen e.V. erhalten.

In der Sitzung wurde den Arbeitskreismitgliedern außerdem mitgeteilt, dass der Frauenförderplan der Stadt Bocholt auch nach Ablauf zum 31. Dezember 2006 bis zur Erstellung eines neuen Plans weiter Gültigkeit hat. Darüber hinaus gab die Gleichstellungsbeauftragte einen Tätigkeitsbericht über Schwerpunkte ihre Arbeit in den letzten 12 Monaten.

Diese und weitere Informationen rund um das Thema Gleichstellung finden Sie auch auf der Internet-Seite www.bocholt.de.

Pressekontakt: Stadt Bocholt - Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Fachbereich Zentrale Verwaltung, Petra Taubach (stv. Gleichstellungsbeauftragte), Tel.-Nr. 0 28 71 / 95 33 28, e-mail: ptaubach@mail.bocholt.de