Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 20. Dezember 2007

Grüße zum Jahreswechsel in die ganze Welt

Ehemalige jüdische Mitbürger erhalten Post vom Bürgermeister

Bocholt (pd).

In diesen Tagen schickte Bürgermeister Peter Nebelo wieder seinen traditionellen Gruß zum Jahreswechsel den ehemaligen Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens der Stadt Bocholt. 12 Briefe gingen in die USA, drei nach Argentinien, einer erreichte Israel und einer wurde nach Paraguay gesandt. Auch in Bocholt bekam ein Nachfahre ehemaliger jüdischer Mitbürger Post vom Bürgermeister.

In jedem Jahr können weniger Briefe an die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gesandt werden. Waren es im letzten Jahr noch 23 Sendungen in die ganze Welt, erhielten jetzt noch nur 17 Familien Post aus Bocholt. Zu Beginn der Initiative im Jahr 1979 konnte der damalige Ehrenoberbürgermeister und Ehrenbürger Günther Hochgartz 50 Briefe versenden. Bereits in seinem letzten Neujahrsgruß hatte Bürgermeister Nebelo an die Familien appelliert, ihm vom Verbleib der ehemaligen jüdischen Mitbürger bzw. ihrer Angehörigen zu berichten, damit der Kontakt nicht verloren geht. Leider haben sich keine Personen dazu gemeldet.

Dennoch gibt es zu einigen Familien einen ständigen Kontakt. Deshalb galt der Dank Nebelos all denjenigen, die ihm im vergangenen Jahr geschrieben hatten. Gleichzeitig bedankte sich der Bürgermeister auch bei den ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich an der Aktion, ihre Erinnerungen aus Bocholt zu schreiben, beteiligt hatten. Im Jahr 1997 hatte die heutige 1. stellvertretende Bürgermeisterin Christel Feldhaar die Familien angeschrieben und gebeten, ihre Erfahrungen in Bocholt, ihre Ausgrenzung, Flucht, Emigration oder Deportation niederzuschreiben und ihrer Geburtsstadt zu überlassen.

Viele kamen diesem Wunsch der Stadt Bocholt nach. Am Montag, dem 10. Dezember 2007, dem Gedenktag der ersten Deportation in Bocholt, erhielt Bürgermeister Nebelo aus den Händen von Benno Simoni das „Buch der Erinnerungen – Juden in Bocholt 1938 – 1945“ überreicht. Benno Simoni ist stellvertretender Vorsitzender der Synagogengemeinde Berlin – Sukkat Schalom – und der Großneffe der am 24. Januar 1942 von Bocholt nach Riga deportierten Regina Seif.

Das „Buch der Erinnerung - Juden in Bocholt 1938 – 1945“ wurde von dem Bocholter Bürger, Herrn Josef Niebur, für den VHS-Arbeitskreis Synagogenlandschaften über viele Jahre hinweg erarbeitet. Die Lebensgeschichten von 34 ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern jüdischen Glaubens sind in diesem Buch zu finden, so auch die Erinnerungen derjenigen, die zum Jahreswechsel vom Bürgermeister angeschrieben wurden. „Das Buch ist darauf ausgelegt, dass es immer weiter um die Erinnerungen ergänzt werden kann.“, so Nebelo in seinem Schreiben zum Jahreswechsel, „Dieses Buch können unsere Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt in der Innungskrankenkasse Bocholt, wo früher die hiesige Synagoge stand, finden.“

Selbstverständlich berichtete der Bürgermeister auch über Neuigkeiten aus Bocholt. Er erinnerte dabei an die Feststunde zum 100jährigen Bestehen des Vereins für Heimatpflege Bocholt e.V. Darüber hinaus berichtete er über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung Bocholts, so z. B. über die Erweiterung des Bocholter Industrieparks im Ortsteil Mussum.

Neben dem Schreiben erhielten die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auch den Geburtstagskalender, den die Hohe-Giethorst-Schule Bocholt gemeinsam mit ihren Partnerschulen in Sobotka/Polen und Akmene/Litauen gestaltet hatte. Abschließend wünschte er im Namen aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bocholt allen einen friedlichen Jahreswechsel, alles Gute für das kommende Jahr sowie Glück, Erfolg und Gesundheit.

Pressekontakt: Stadt Bocholt - Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Fachbereich Zentrale Verwaltung - Interne Dienste-, Petra Taubach, Tel.-Nr. 0 28 71 / 95 33 28, E-mail: ptaubach@mail.bocholt.de