Bocholt, 25. September 2009
Unternehmen werden befragt
TU Dortmund, Ewibo und der "Verein Leben im Alter" wollen Konzept für Vereinbarkeit von Pflege und Beruf entwickeln
Bocholt (pd).
Zurzeit können Bocholter Unternehmen an einer telefonischen Befragung teilnehmen. Thema ist die die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Durchgeführt wird die Studie von der TU Dortmund in Zusammenarbeit mit der Ewibo GmbH und dem Verein „Leben im Alter“ (L-i-A). Ziel ist, bei Bedarf passende Konzepte zu erstellen für Arbeitnehmer, die parallel zum Beruf pflegebedürftige Angehörige betreuen müssen. Nähere Informationen erteilt die Ewibo unter Tel. 02871/217 65 640.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beherrscht als Schlagwort bereits seit längerem die politische und öffentliche Diskussion. Vielerorts werden Konzepte entwickelt, um Kindererziehung und Beruf unter einen Hut zu bringen. Doch wie steht es um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf? Sind Bocholter Unternehmen darauf eingestellt?
Die Umfrage beinhaltet insgesamt sechs Fragen, darunter "Ist das Thema Pflege und Beruf bereits in Ihrem Unternehmen thematisiert?" und "Welche externen Unterstützungsangebote würden Sie sich für Ihr Unternehmen und Ihre Beschäftigten wünschen?"
„Wichtig für brauchbare Erkenntnisse ist eine breite Datenbasis. Daher setzen wir auf möglichst viele Rückmeldungen seitens der Unternehmen“, so Andrea Unland von L-i-A. Die Ergebnisse sollen bis zum 9. Oktober an die TU Dortmund geschickt werden. Sie werden im Rahmen einer Veranstaltung in Bocholt präsentiert, dazu werden mögliche Handlungsfelder für die Stadt Bocholt diskutiert.
Weitere Hintergrundinfos: Bereits heute leben in Deutschland mehr als drei Millionen pflege- und hilfebedürftige Menschen in Privathaushalten. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird diese Zahl in den kommenden Jahren weiter steigen. Der Wunsch dieser zumeist älteren Menschen ist es, so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung zu verbleiben. Ohne Unterstützung durch pflegende Angehörige kann allerdings - auch bei Inanspruchnahme eines professionellen Pflegedienstes - ein Verbleib im häuslichen Umfeld für viele Pflegebedürftige nicht gewährleistet werden.
Die Hauptpflegelast der familiären Betreuung übernehmen in den meisten Fällen die Töchter oder Schwiegertöchter der älteren Menschen, die immer häufiger selbst noch berufstätig sind. Diese Frauen sehen sich nach der Familiengründungs- und Erziehungsphase erneut im Zwiespalt zwischen beruflichen Interessen und privater Verantwortung. Die Doppelbelastung von Beschäftigten, die Pflegeaufgaben übernehmen, führt in vielen Fällen dazu, dass diese beruflich "kürzer treten" müssen. Untersuchungen zeigen, dass aktuell rund die Hälfte der berufstätigen Pflegenden ihre Erwerbstätigkeit einschränkt oder sogar ganz aufgibt.
Während die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf auf betrieblicher Ebene inzwischen ein etabliertes Thema ist, wird das Thema "Beruf und Pflege" von vielen Betroffenen im Arbeitsumfeld noch nicht thematisiert.
Eine vom Land NRW und der Europäischen Union geförderte Studie der Technischen Uni-versität Dortmund soll jetzt aufzeigen, wie Unternehmen und Betroffene mit dem Thema umgehen und welche Unterstützungsangebote dazu beitragen können, dass die Interessen beider Seiten zukünftig besser berücksichtigt werden. Die Ergebnisse der Studie sollen in die Entwicklung konkreter Maßnahmen und Angebote insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen und Beschäftigte in Bocholt einfließen.
Pressekontakt: Stadt Bocholt - Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Büro des Bürgermeisters, Pressesprecher Karsten Tersteegen, Telefon 0 28 71 95 33 27, E-Mail: karsten.tersteegen@mail.bocholt.de