
(pen) Menschen in weißen Schutzanzügen, rot-weißes Absperrband und aufgebaute Desinfektionsanlagen für Einsatz- und Transportfahrzeuge - Szenen wie diese sind in der Regel ein untrügliches Zeichen für den Ausbruch einer Tierseuche. Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche oder Schweinepest sorgen dann für Unruhe und Unsicherheit unter den Tierhaltern und in der Bevölkerung. Ganz entspannt können die Bürger aber bleiben, wenn sie am 15. und 16. Juni auf und um den Hof Steimann in Ennepetal beobachten, wie Veterinäramt, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk aktiv werden. Dort simuliert die Kreisverwaltung lediglich den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.
„Wie bereits mehrfach in den letzten Jahren geht es darum, Abläufe zu üben und das Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten zu verbessern“, erläutert Kreisveterinär Dr. Peter Richter. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er das Übungsszenario in den letzten Wochen minutiös vorbereitet.
Ein Dreh- und Angelpunkt ist das im Kreishaus eingerichtete Krisenzentrum. Dort koordinieren Mitarbeiter der Kreisverwaltung die Aktionen. Es gilt, einen Sperrbezirk einzurichten und zu kennzeichnen, das Logistikzentrum in der Kreisfeuerwehrzentrale in Gevelsberg in Betrieb zu nehmen und Blutuntersuchungen auf den Weg zu bringen. Der Wert der Viehbestände ist zu schätzen und die Klauentiere des betroffenen Betriebes müssen „getötet“ werden, ein Entsorgungsplan für die Milch ist nötig und Tiertransporte, die den Sperrbezirk in den vergangenen Tagen verlassen haben, sind nach zu verfolgen.
„Im Ernstfall müsste diese Vielzahl von Einzelaktionen parallel ablaufen. Es käme darauf an, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen, dass der Kreis, das Ordnungsamt der betroffenen Stadt, Polizei, Feuerwehren sowie das THW und die Landwirtschaft Hand in Hand arbeiten“, erläutert Dr. Richter. Er hat in die Übung auch Mitarbeiter von Veterinärämtern aus dem Märkischen Kreis, dem Oberbergischen Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis sowie dem Rhein-Sieg Kreis und den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe eingebunden.
Im Kampf gegen die Seuche setzt das Veterinäramt auch auf moderne Technik und die Kompetenz anderer Abteilungen im Kreishaus. Beispiel Sperrbezirk: Dank des Geographischen Informationssystems GIS und der Mitarbeiter des Vermessungs- und Katasteramtes ist innerhalb weniger Minuten klar, wie viele Klauentiere sich im Umkreis von drei Kilometern um den „Seuchenhof“ befinden und welche Halter zu informieren sind. „Wir werden diese Berechnung sowie das Benachrichtigen der betroffenen Landwirte praktisch durchführen“, kündigt Dr. Richter an.
Weiterer Schauplatz im Drehbuch der Übung ist der Hof Steimann. Bereits am Freitag wird er als Seuchenbetrieb gekennzeichnet und Mitarbeiter des Veterinäramtes errichten eine Desinfektionsanlage für PKW. Noch mehr Betrieb wird auf und am Hof dann am Samstag zu verzeichnen sein. Feuerwehr und THW bauen dann Desinfektionsschleusen für Personen sowie für Lastkraftwagen auf. „Diese ist 22 Meter lang und 4 Meter breit und damit groß genug, um beispielsweise auch Transporter für Milch oder Tierkadaver sowie landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge gründlichst zu reinigen. Dies ist ein Beitrag, damit im Falle des Falles das weitere Ausbreiten einer Seuche verhindert werden kann“, macht Dr. Richter deutlich. Als Abschluss der Übung kündigt er das Desinfizieren von zwei Lastkraftwagen an.
„Trotz der Aktivitäten außerhalb des Kreishauses und der Ausweisung des Sperrbezirkes bleiben die Bürger an beiden Tagen von Beeinträchtigungen wie Straßensperrungen verschont“, so der Hinweis aus dem Kreishaus.