
(pen) Ist das schon Alzheimer oder bin ich nur vergesslich? Diese Frage können sich Menschen mit unklaren, bislang nur vage wahrgenommenen Gedächtnisstörungen in den ärztlichen Demenzsprechstunden beantworten lassen, die der Ennepe-Ruhr-Kreis seit einiger Zeit gemeinsam mit den drei Demenznetzwerken im Kreisgebiet anbietet. „Unsere Erfahrungen mit dieser für die Bürger kostenlosen fachärztlichen Beratung sind sehr positiv. Wir kommen mit Angehörigen sowie mit Menschen, die Sorge haben, erkrankt zu sein, ins Gespräch“, macht Elke Zeller, Pflegekoordinatorin im Schwelmer Kreishaus, anlässlich des Weltalzheimertages am 21. September deutlich.
Eine wichtige Rolle für die Netzwerkarbeit übernehmen die Selbsthilfekontaktstellen in Gevelsberg, Hattingen und Witten. Ihnen ist es Schritt für Schritt gelungen, für Menschen mit Demenz Angebote und Initiativen zu starten. Ein Beispiel von vielen: In Schwelm gibt es inzwischen eine unterstützte Selbsthilfegruppe für früh betroffene Menschen mit Demenz, die sich austauschen, Spaß miteinander haben und auch mal über sich selbst lachen können. „In einer solchen Gruppe wird deutlich, welche Ressourcen die Menschen noch haben, auch wenn bereits eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde. Die Annahme der Erkrankung ist ein wichtiger Schritt, damit leben zu lernen“, so Zeller.
Darüber hinaus sind viele Angebote entstanden, die Menschen mit Demenz gemeinsam mit ihren Angehörigen nutzen können. So gibt es Tanznachmittage, Bewegungsangebote, Gesprächsgruppen und Betreuungsangebote. „Eine Demenzerkrankung ist heute kein Grund mehr, sich sofort in einem Heim anzumelden. Wenn die Angebote genutzt werden, die im Ennepe-Ruhr-Kreis inzwischen entstanden sind, kann nicht selten ein Verbleib in den eigenen vier Wänden bis zum Lebensende möglich gemacht werden“, berichtet Zeller. Dennoch sei noch viel zu tun. Als wichtigsten Schritt sieht Zeller weiterhin die Enttabuisierung der Demenzerkrankung, um den Erkrankten und ihren Familien die Scham zu nehmen, wenn sie selbst betroffen sind.
Angebote wie die Veranstaltungsreihe „Miteinander reden, lachen, tun und leben“, die momentan im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis läuft oder die Aktion „Demenz unter dem Schirm des Quartiers“, die in den nächsten Tagen in Sprockhövel und Witten stattfinden soll, sind Beiträge, um über die Krankheit ins Gespräch zu kommen und deutlich zu machen, was betreuende Angehörige leisten und was sie sich von ihrer Nachbarschaft wünschen.
Ansprechpartner für Interessierte sind die Selbsthilfekontaktstellen im Ennepe-Ruhr-Kreis. Namentlich sind das in Gevelsberg Susanne Auferkorte (Tel. 02332/664028), in Hattingen Maria Elisabeth Warnecke (Tel. 02324/954979) und in Witten Kerstin Lohmann (Tel. 02302/1559). Darüber hinaus steht auch Elke Zeller als Pflegekoordinatorin des Ennepe-Ruhr-Kreises für Rückfragen zur Verfügung. (Tel. 02336/93 2480).
Termine der Demenzsprechstunden mit fachärztlicher Beratung
Gevelsberg: Erster Freitag im Monat, 10 bis 11.30 Uhr, FAN, Rosendahler Str. 22.
Hattingen: Donnerstag 4.10., 25.10., 22.11., 6.12., 20.12.2012, 14:30 bis 16 Uhr, KISS, Kirchplatz 19
Witten: Zweiter Mittwoch im Monat, 13.30 und 15 Uhr, Nebenstelle der Kreisverwaltung, Schwanenmarkt 5-7