
(pen) „Gewalt gegen Frauen ist kein Kavaliersdelikt, Gewalt gegen Ehefrauen ist keine Familienangelegenheit, Gewalt gegen Frauen ist ohne wenn und aber eine Straftat“. Kurz und knapp brachte Landrat Dr. Arnim Brux eine der wichtigsten Errungenschaften des Gewaltschutzgesetzes auf den Punkt. Als Schirmherr des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt begrüßte er im Schwelmer Kreishaus die gut 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die anlässlich des 10-jährigen Geburtstages des Gesetzes eine Bilanz für den Ennepe-Ruhr-Kreis zogen.
„Der Täter verlässt die Wohnung, das Opfer kann bleiben, profitiert vom Kontaktverbot für den Schläger und kann mindestens zehn Tage durchatmen“. Dies ist für Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, die zweite entscheidende Errungenschaft der 2002 geänderten Rechtslage. Rückblickend könne man völlig zurecht von einem Paradigmenwechsel sprechen. Wer schlägt muss gehen.
Deutlich wurde in Vorträgen aber auch: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. „Häufig sind Mobbing und Stalking sowie psychische Gewalt für Außenstehende zwar schwerer erkennbar, die Folgen aber nicht geringer und die Spirale der Gewalt nicht langsamer, als wenn der Täter die Hand hebt“, so Brux. Die Zahlen, die Bredehorst im Gepäck hatte, veranschaulichten eindrucksvoll den Handlungsbedarf. „Jede vierte Frau erlebt in ihrem Leben Gewalt, jede dritte Frau unter 16 ist von körperlicher Gewalt betroffen. In absoluten Zahlen bedeutet dies für Nordrhein-Westfalen: Zwei Millionen Frauen sind Opfer, Jahr für Jahr verzeichnen wir 25.000 Strafanzeigen.“
Mit Blick auf die steigenden Zahlen im Bereich Gewalt gegen Frauen waren sich alle Teilnehmer einig, dass dies nicht ein Indiz für mehr Gewalt sein muss. „Vielmehr fassen heute mehr und mehr Frauen den Mut und bringen Vorfälle zur Anzeige. Dies ist ein Indiz dafür, dass das Thema langsam aber sicher die Tabuzone der Gesellschaft verlässt“, machte Petra Bedow, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung und Geschäftsführerin des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt, deutlich. Dies sei als Erfolg eines Jahrzehnts engagierter Aufklärungsarbeit zu werten.
„Diese“, so Bredehorst, „zeichnet sich im Ennepe-Ruhr-Kreis zum einen durch eine ausgesprochen kreative Öffentlichkeitsarbeit aus. Zum anderen ist der Kreis ein Paradebeispiel dafür, was mit einer guten Vernetzung von Polizei, Frauenhaus, Frauenberatung, Jugendamt, Weißer Ring und Staatsanwaltschaft erreicht werden kann.“
„Die Botschaft ´Häusliche Gewalt darf weder tabuisiert werden noch ist sie Privatsache´ wird im Ennepe-Ruhr-Kreis ja bereits seit 1999 verbreitet. Seinerzeit wurde der Runde Tisch gegründet“, griff Bedow das Lob aus Düsseldorf auf. Gleichzeitig erinnerte sie an die Aktionen, die das Thema Jahr für Jahr besonders ins Blickfeld gerückt haben.
2004 wurden über die Bäckereien im Kreisgebiet 200.000 Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ verteilt, 2005 überreichten die Apotheken ihren Kunden 50.000 Taschentücherpäckchen. Die Botschaft: „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!“. 2006 hieß es dann auf 180 Plakaten in Bussen „Gewaltfrei fahren Frauen besser - Keine Gewalt gegen Frauen“, 2007 verkündeten Banner, die über Straßen und an Rathäusern im Ennepe-Ruhr-Kreis hingen: „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt!“ und 2008 lautete die Aufschrift auf 10.000 Taschenkalendern „Die Zeit ist reif - Keine Gewalt gegen Frauen!“. 2009 ließen 1.000 Schirme „die Frauen nicht im Regen stehen“ 2010 wurden 2.500 Eiskratzer mit dem Aufdruck „Eiskalt gegen häusliche Gewalt“ verteilt und 2011 stand die Aktion unter dem Motto „Mir geht ein Licht auf!“.