
„Mein Kleiner ist halt ein Rowdy“, entschuldigt sich die Mutter milde lächelnd gegenüber ihrer Freundin, als wieder einmal etwas zu Bruch geht. Jede Mutter wünscht sich ein aufgewecktes Kind. „Meine Kleine ist eben eine sehr brave Prinzessin“, verteidigt der Vater gegenüber der Lehrerin das stille Verhalten seiner Tochter im Unterricht. Jeder Vater wünscht sich ein gut erzogenes Kind. Doch wie gehen Eltern mit Veränderungen in der Entwicklung ihres Kindes um? Oft scheint der Grad zwischen harmlosem Herumtoben und unkontrollierbarem Gehampel schwierig. Wann ist ein Kind ‚zu still‘ und wann braucht es Hilfe, weil hinter der Stille die wahren Probleme liegen?
In allen kindlichen Entwicklungsstadien können Krisen auftreten, die unter ungünstigen Umständen zu bleibenden psychischen Störungen führen können. Besondere Risiken bestehen, wenn die Eltern selber unter psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen leiden. Weitere negative Faktoren sind schwierige soziale Verhältnisse der Familie, wechselnde familiäre Konstellationen oder die Überforderung der Eltern mit den Erziehungsaufgaben.
Dabei sind Familien in den genannten Problemsituationen nicht grundsätzlich als defizitär oder hilfebedürftig zu betrachten. Sie erbringen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen wertvolle und unverzichtbare Leistungen für sich selbst, die Kinder und für das Gemeinwesen. Individuelle und fachlich fundierte Hilfen sollten dennoch in solchen Situationen gut zugänglich sein.
Anlässlich des Welttages „Seelische Gesundheit“ (10. Oktober) möchte der Ennepe-Ruhr-Kreis herausstellen, dass im Kreisgebiet viele Kooperationspartner zusammenfinden, um für Betroffene und Angehörige frühzeitig da zu sein. Wichtige Aufgaben der Regelversorgung übernehmen beispielsweise die Jugendhilfe und Erziehungsberatungsstellen, die Gesundheitsdienste des Ennepe-Ruhr-Kreises und das Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke als Pflichtversorger für psychisch erkrankte Kinder und Jugendlich sowie Fachärzte in Praxen und Kliniken.
„Die Förderung seelischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist dabei ein großes Anliegen, besonders die Zusammenstellung präventiver Strategien ist eine große Herausforderung“, betont Dr. Hans-Joachim Boschek; Fachbereichsleiter Soziales und Gesundheit.
„Ein ‚Zusammenrücken‘ der unterschiedlichen Angebote im Kreisgebiet findet am Dienstag, 27. November in Hattingen statt. Auf der Fachveranstaltung ‚Manchmal ist Mama eben anders‘ gibt es umfangreiche Fachinformationen zur besonders gefährdeten Gruppe Kinder psychisch kranker Eltern“, hebt Katrin Johanna Kügler, stellvertretende Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit, hervor. Ab 13 Uhr öffnet an diesem Tag in der Gebläsehalle des Westfälischen Industriemuseum Henrichshütte unter anderem der „Markt der Möglichkeiten“ seine Pforten. Dort präsentieren sich die ortsansässigen Institutionen mit ihren Angeboten zum Thema. Der „Marktbesuch“ ist ohne Anmeldung kostenlos möglich, für die Teilnahme an der Fachtagung ist jedoch eine Anmeldung sowie das Zahlen eines Teilnahmebeitrages von 15 Euro erforderlich. Ansprechpartnerin ist Sabine Voigt, 02336/93 2650, sabine-voigt@en-kreis.de.
Bundesweite Aktionen zum Welttag der Seelischen Gesundheit finden Sie unter www.seelischegesundheit.net.