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„Pflege und Beruf“: Betriebräte sind wichtige Ansprechpartner

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30. Oktober 2012
„Pflege und Beruf“: Betriebräte sind wichtige Ansprechpartner

(pen) „Die Erfahrungen, über die berichtet wurde, waren breit gefächert. Während in einigen Betrieben bereits nach individuellen Lösungen gesucht wird, um den Beschäftigten das Nebeneinander von Beruf und Pflege zu erleichtern, besteht in anderen Firmen bisher mangels Nachfrage scheinbar keine Notwendigkeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen.“ Während ihrer Diskussion mit 30 Betriebsräten im IG Metall Bildungszentrum in Sprockhövel sammelte Christa Beermann, Demografiebeauftragte der Kreisverwaltung, eine Vielzahl von Aussagen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr folgende Einschätzung: „Vermutlich gibt es auch in unserem Unternehmen Kolleginnen die versuchen, die Anforderungen an Werkbank und Pflegebett unter einen Hut zu bringen. Allerdings kenne ich keine. Häufig habe ich den Eindruck, dass den Betroffenen der Mut fehlt, sich an die Geschäftsleitung zu wenden oder sie als letzten Ausweg gar die Kündigung wählen.“

„Soweit darf und muss es nicht kommen“, lautet die klare Botschaft Beermanns. Auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen sollten sich die Unternehmen der wachsenden Herausforderung möglichst frühzeitig stellen, zumal angesichts einer älter werdenden Gesellschaft immer mehr Beschäftigte betroffen sind. „Unternehmen, die der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nur wenig Beachtung schenken, müssen pro Beschäftigten und Jahr Kosten von bis zu 14.000 Euro tragen. Firmen, die ihre Mitarbeiter unterstützen, können hingegen ein Plus bei Motivation, Anwesenheit, Zufriedenheit, Loyalität und Produktivität verbuchen“, zitiert Beermann aus verschiedenen Studien. Und im Kampf um Fachkräfte seien auch das Image und der Werbeeffekt, ein familienfreundlicher Betrieb zu sein, nicht zu unterschätzen.

„Das Thema wird in den Betrieben zunehmend präsenter“, hat denn auch Clarissa Bader, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen und Organisatorin des Treffens, beobachtet. „Wichtig ist, die vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten transparent zu machen und auch die Betriebsrätinnen und Betriebsräte zu informieren, damit diese die Beschäftigten beraten können. Dazu war diese Veranstaltung ein erster Schritt.“

Bereits heute, so zeigen Umfragen, pflegt jede vierte Beschäftigte einen Angehörigen täglich mehr als zwei Stunden. Tendenz steigend. Im krassen Gegensatz dazu steht die Erkenntnis, dass erst in jedem dritten Unternehmen aktiv und lösungsorientiert über Pflege und Beruf gesprochen wird. „Viele fürchten offenbar einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Doch das muss nicht sein. Es gibt viele kostengünstige Instrumente und Praxishilfen, Umsetzungsideen und kompetente Ansprechpartner“, machte Beermann den Betriebsräten Mut.

Zusammen mit dem Netzwerk W(iedereinstieg) hat sie in den letzten Monaten Informationen gebündelt und das Thema sehr offensiv in die Öffentlichkeit getragen. Dazu zählt ein Flyer, der über die gesetzlichen Rahmenbedingungen informiert ebenso wie ein „Leitfaden zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für Unternehmen“. „Dieser liefert sehr kompakt Tipps und Hinweise, wie mit wenig Kosten und Aufwand pflegende Beschäftigte unterstützt werden können. Beispiele aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und verschiedener Branchen zeigen, wie der Spagat gelingen kann und wie dabei Pflegebedürftige, Beschäftigte und Unternehmen profitieren“, so Beermann.

Erfolgreich ist zudem eine Kampagne, die Pflegende und Unternehmen auf Postkarten und Plakaten zu Wort kommen lässt. Während sie den Betroffenen Mut machen soll, offen über ihren tagtäglichen Spagat zu reden und Hilfsangebote einzufordern und zu nutzen, möchten die Initiatoren bei den Unternehmen dafür werben, sich den Herausforderungen zu stellen. „Die Botschaft der Geschäftsführung an die Arbeitnehmer sollte lauten `Sie pflegen? Wir unterstützen Sie!´“, wünscht sich Beermann.

Gut sechs Monate nach dem Kampagnenstart beteiligen sich bereits die AVU aus Gevelsberg, die hwg und das HAZ aus Hattingen sowie die Volkshochschule Witten, Wetter, Herdecke. Weitere Unternehmen haben ihre Beteiligung zugesagt oder sind noch in internen Abstimmungsprozessen. „Bis Februar nächsten Jahres sollen es 20 werden. Unternehmen oder Organisationen, die sich beteiligen wollen, haben dabei keine hohen Hürden zu nehmen: Sie verpflichten sich, das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu bewegen, offen damit umzugehen und gemeinsam mit den Beschäftigten nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen“, so Beermann.

Stichwort Netzwerk W(iedereinstieg) Ennepe-Ruhr

Das Netzwerk ist eine Initiative regionaler Akteure. Es engagiert sich für den Wiedereinstieg von Frauen ins Erwerbsleben und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, seit 2009 insbesondere auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege. Für die Kampagne „Pflege und Beruf“ sollen bis 2013 mindestens 20 Unternehmen ins Boot geholt werden. Das Netzwerk wird koordiniert von der Demografiebeauftragten des Ennepe-Ruhr-Kreis, Christa Beermann, Tel.: 02336/93 22 23, Email: C.Beermann@en-kreis.de. Dort ist auch der Leitfaden mit Tipps für Unternehmen zu bestellen.




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Gut 30 Betriebsräte informierten sich in Sprockhövel über Angebote, um Pflege und Beruf besser vereinbaren zu können.
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Christa Beermann machte deutlich: Es lohnt sich für Betriebe, ihren Mitarbeitern Angebote zu machen, um die Herausforderungen an Pflegebett und Werkbank besser unter einen Hut zu bekommen
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Ennepe-Ruhr-Kreis, Pressestelle, Pressesprecher Ingo Niemann (V.i.S.d.P.), Hauptstr. 92, 58332 Schwelm
Telefon: 02336/93 2062, Fax: 02336/93 12062
Mail: pressestelle@en-kreis.de, Internet: www.en-kreis.de