(pen) „Meine Arbeit ist mir wichtig. Die Pflege zuhause auch.“ Hinter diesen zwei Sätzen verbirgt sich für Berufstätige, die Angehörige pflegen, ein Alttag, der häufig bis auf die letzte Minute durchgeplant ist. Tag für Tag gilt es für sie, den Spagat zwischen Arbeitsplatz und Pflegebett zu bewältigen. Seit gut einem Jahr sucht das Netzwerk W(iedereinstieg) im Ennepe-Ruhr-Kreis Institutionen und Betriebe, die die Kampagne „Pflege und Beruf vereinbaren“ unterstützen.
Ziel ist zum einen, es Beschäftigten leichter zu machen, beide Herausforderungen besser unter einen Hut bekommen zu können. Zum anderen soll die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. „Fakt ist nämlich immer noch: Während es quasi selbstverständlich ist, andere an der Geburt eines Kindes Anteil haben zu lassen, hängt es am Arbeitsplatz kaum jemand an die große Glocke, wenn der Alltag plötzlich Kopf steht, weil Eltern oder Angehörige nicht mehr allein zurechtkommen“, macht Christa Beermann, Demografiebeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises, deutlich.
Mit einem Werkstatttreffen wollen die Initiatoren am Mittwoch, 17. April, eine Zwischenbilanz ziehen. Dazu werden in der Kantine der AVU (An der Drehbank 18/Gevelsberg) Unternehmen erwartet, die sich bereits an der Kampagne beteiligen. Ebenso willkommen sind aber auch Betriebe, die sich dafür interessieren, wie sie ihre pflegenden Beschäftigten unterstützen können.
„Stand heute beteiligen sich mehr als ein Dutzend Unternehmen. Sie haben erkannt: Wir profitieren von geringeren Fehlzeiten sowie steigender Zufriedenheit der Mitarbeiter, haben attraktivere Arbeitsplätze und müssen mit weniger Kündigungen rechnen“, freut sich Landrat und Kampagnenschirmherr Dr. Arnim Brux. Im Angebot haben die Unternehmen beispielsweise Teilzeitarbeitsplätze und sehr flexible Arbeitszeiten, betriebliches Gesundheitsmanagement und Home-Offices. Darüber hinaus kümmert sich ein fester Ansprechpartner um die Belange der pflegenden Beschäftigten.
Die Veranstaltung in Gevelsberg soll auch zeigen: Die wenigsten fangen bei Null an, niemand muss das Rad neu erfinden und ein Blick auf gute Beispiele in der Nachbarschaft lohnt sich immer. Auf dem Programm steht deshalb auch eine ausführliche Gesprächsrunde mit Vertretern der Hattinger hwg, der AVU Gevelsberg, der SIHK zu Hagen und der Firma biw Isolierstoffe aus Ennepetal. Sie alle unterstützen die Kampagne bereits und berichten über ihre Erfahrungen und Ideen. Ausführliche Informationen liefert zudem ein Referat, in dem Prof. Dr. Irene Gerlach vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik Perspektiven einer besseren Vereinbarkeit aufzeigen wird. Und auch rechtliche Aspekte, notwendige Abstimmungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat sowie bewährte Instrumente werden thematisiert,
Ansprechpartnerin für Rückfragen zur Veranstaltung sowie für Anmeldungen ist Christa Beermann, Tel.: 02336/93 22 23, Email: C.Beermann@en-kreis.de.
Stichwort „Kampagne Pflege und Beruf“
Auf Postkarten und Plakaten machen Betroffene anderen Betroffenen mit der Aussage „Ich pflege meine Mutter“ Mut. Unternehmen signalisieren ihren Beschäftigten und der Öffentlichkeit „Sie pflegen? Wir unterstützen sie“. Initiiert wurde die Kampagne vom Netzwerk W(iedereinstieg) Ennepe-Ruhr. Bis Ende 2013 sollen insgesamt 20 Unternehmen ins Boot geholt werden. Wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, unterstreichen auch folgende Zahlen: Bereits heute werden im Ennepe-Ruhr-Kreis mehr als 7.000 Menschen zuhause gepflegt, jede zehnte Beschäftigte kümmert sich um Angehörige. Knapp die Hälfte der pflegenden Beschäftigten reduziert die Arbeitszeit, rund 17 Prozent steigen sogar ganz aus dem Job aus Der demografische Wandel dürfte diese Zahlen in den nächsten Jahren weiter steigen lassen.